Gänsehaut in Trondheim

Autorin: Ronja Vattes - rovline
Eine riesige Kirchen zu Ehren eines Wikingerkönigs: Über dem Grab des Heiligen Olav wurde der Nidaros-Dom in Trondheim erbaut. Bild: Ronja Vattes

Eine riesige Kirchen zu Ehren eines Wikingerkönigs: Über dem Grab des Heiligen Olav wurde der Nidaros-Dom in Trondheim erbaut. Bild: Ronja Vattes

Sie ist nahe ans Wasser gebaut – und dennoch von fröhlicher Natur: die Stadt Trondheim in Mittelnorwegen bezaubert Besucher schon auf den ersten Blick mit ihrer teils erhabenen Lage am Meer und den bunten Holzhäusern im Bakklandet-Viertel, wo sich Cafés, kleine Kunsthandwerksläden und Modeboutiquen aneinander reihen. Im Sommer tanzt dort das pralle Leben. Die vielen Studenten und Familien haben ihren Anteil daran. Munter klingelnd beherrschen dann Radfahrer das Straßenbild. Liegestühle mit Blick aufs Wasser säumen die Cafés und Kneipen.

Selbst im Winter trotzen die Norweger tapfer den eisigen Temperaturen. Am alten Hafen wird bei Minusgraden abends draußen auf der Terrasse gegessen, so entspannt gelacht und geplaudert, als ob der Norweger an sich aus einem anderen Holze wär. Getreu dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Einstellung. Okay, zugegeben, ein bisschen nachhelfen tun sie doch, mit dem ein oder anderen Heizpilz. Doch nicht einmal die würden uns süddeutschen, vom milden Klima verwöhnten Frostbeulen heute helfen.

So stapfen wir bibbernd weiter, am Kai entlang mit seinen alten Speicherhäusern, weiter über die historische Altstadtbrücke, die 1681 gebaut wurde und deren hölzerner Torbogen „Lykkens Portal“ – Glücksportal – genannt wird.

Unser Ziel ist ein anderes: der Nidaros-Dom. Um diesen Prachtbau und seine Geschichte faszinierend zu finden, muss man mit Religion nicht zwangsläufig etwas anfangen können. Der Gänsehautfaktor stellt sich auch so ein: Als der von vielen verehrte Wikingerkönig Olav Haraldsson in einer Schlacht 1031 ums Leben kam und angeblich exakt ein Jahr und fünf Tage später selig gesprochen wurde, kamen immer mehr Pilger zu seinem Grab in das dereinst dünn besiedelte Nidaros. Deshalb begann man 1070 eine Kirche zu bauen – genau über dem Grab des heiligen Olavs. Erst 1300 erlangte der Bau seine volle Pracht. Allein im Mittelalter wurden dort sieben Könige gekrönt und zehn begraben. Immer wieder musste der Dom erweitert und verändert werden.

Wer heute durch das riesige Gotteshaus schlendert, entdeckt stumme Zeugen dieser Entwicklungen: romanische und gotische Elemente, Hölzernes und Steinernes sowie königliche Gebeine in der Krypta. In der Kirche selbst wird das Alte Testament in Blautönen inszeniert, das Neue Testament in warmen Rottönen. 9600 elektrisch gesteuerte Orgelpfeifen sowie eine weitere barocke und mit Muskelkraft betriebene Orgel sorgen für einen unglaublichen Klang. Beim Barockfestival lebt in Trondheim die Tradition alter Musik wieder auf. Und beim Saint Olavs Festival 2015 war die ganze Stadt Tag und Nacht auf den Beinen, um bei den Konzerten dabei zu sein. Der heilige Olav soll viele Wunder vollbracht haben. Das kann man glauben oder nicht – aber für den durchgefrorenen Stadtrundgänger erweist sich der Schutz der Kirche als echter Segen.

Liebelei im Süßen Löchle

Autorin: Ronja Vattes - rovline
Heimliche Treffen im Hinterstübchen: Der Charme der 1920er Jahre ist erhalten geblieben. Bilder: Anselm Bußhoff

Heimliche Treffen im Hinterstübchen: Der Charme der 1920er Jahre ist erhalten geblieben. Bilder: Anselm Bußhoff

Wenn es sprechen könnte, es hätte so viel zu erzählen, von ersten schüchternen Blicken im Halbdunkel, ausgetauscht über dampfenden Kaffeetassen. Von zögernden zarten Berührungen, heimlich unter dem Tisch. Dem heftigen Klopfen des Herzens – war es der Kaffee oder doch eher das Kribbeln im Bauch? Es könnte erzählen vom letzten Kuss einer verflossenen Liebe, stummen Tränen, die auf silberne Kaffeelöffel tropften.

Doch es schweigt, behält seine Geheimnisse für sich. Keine neugierigen Blicke dringen durch das winzige Schaufenster bis hinein in die versteckte Stube, wo Kuchen wie aus Großmutters Zeit, Kaffee und heiße Schokolade gereicht werden. Früher nannten manche Besucher es auch „Café Heimlich“, sie sagten „Was hier drinnen passiert, geht draußen niemand was an“.

Wer heute durch die Lahrer Altstadt schlendert, das historische Rathaus besichtigt und über den Urteilsplatz in Richtung Henkerhiisli geht, der wird das kleine Café kaum bemerken. Nur ein schmales Stück Fassade, zwei Tischle vor der Tür und das Schild „Conditorei-Café Süßes Löchle – Café Hildebrand“ weisen Kennern den Weg. Ein klingendes Glöckchen kündigt den eintretenden Besucher an, damit läutet es gleichwohl eine andere Zeit ein. Computerkassen? Autos? Internet?

Einkaufsstress? Wer den Vorraum betritt, vergisst, in welcher Zeit er eigentlich lebt. Gemächlichkeit, Ruhe machen sich breit. Ein altes Kuchikänschterli zeigt Kaffeesorten, Schokoladen, Pralinen. Auf der Theke gibt es Wurst- und Käseschnittchen, die Kuchen werden auf Platten mit Spitzenpapier präsentiert. Dort steht auch das sicher schönste Stück dieses alten Cafés: eine silbern, dunkel glänzende Registrierkasse mit Handkurbel von 1910, die reichlich verziert um „Ihre Zahlung“ bittet und bei Erhalt dankend klingelt.

„Ihre Zahlung“: Registrierkasse von 1910 im Süßen Löchle

„Ihre Zahlung“: Registrierkasse von 1910 im Süßen Löchle

1898 wurde das Café vom Konditoren Eugen Hildebrand eröffnet. 1921 baute sein Sohn Karl es um, noch heute ist das Ambiente und der unverwechselbare Charme des Art-Deco-Stils der 20er Jahre erhalten. „Wer wissen will, wie vor dem Zweiten Weltkrieg die badische Kaffeehauskultur war, der sieht es hier“, sagt der Lahrer Stadthistoriker Thorsten Mietzner. Er ist Vorsitzender der gemeinnützigen Aktiengesellschaft des Süßen Löchles. Denn 2003 drohte dem schmucken Café das Aus. Die damalige Besitzerin konnte das Gebäude nicht mehr halten, zwangsversteigert sollte es werden. Damit hätte dem Haus der Abriss oder die völlige Umgestaltung und Umnutzung gedroht. „Denn Geschichte allein reicht nicht aus, um hier ein Café wirtschaftlich rentabel betreiben zu können“, erklärt Thorsten Mietzner. Damals ging ein Aufschrei durch Lahr. Freunde, Liebhaber, Nostalgiker und Menschen, deren Lebensgeschichte mit diesem Traditionscafé verknüpft war, wollten nur eins: seine Rettung.

Doch bis dahin war es ein schwieriger Weg. In einer groß angelegten Rettungsaktion gelang es den Anhängern Uwe Baumann und Dieter Böhnert genügend Mitstreiter zu finden, um das Café kaufen und weiterbetreiben zu können in Form einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft. Das Haus mitsamt seinem Innenleben, seinem Interieur wurde unter Denkmalschutz gestellt – eine wohl einmalige Aktion.

Auch wenn die finanzielle Basis des Süßen Löchles bis zum Verkauf im Januar 2017 schwierig bleibt, so hat sich der Einsatz dennoch gelohnt – ein Haus voll Geschichte und voller Geschichten konnte erhalten werden. So zeigt das Gebäude an sich eine typische kleinstädtische Lebensform des 19. Jahrhunderts: Vorn, zur Straße hin, die Verkaufsfläche, mit dem angrenzenden Hinterstübchen, in dem sich der Gastraum mit den rund 30 Sitzplätzen befindet. Dahinter verbirgt sich ein kleiner Innenhof, wo die Toiletten noch Abort heißen, und ein Hinterhaus, in dem sich eine Wohnung und ein Handwerksbetrieb befinden, in diesem Fall eine alte Backstube. Der dort eingemauerte Backofen stammt aus der Zeit der Jahrhundertwende und auch die Backutensilien sind wahre Schätze: gusseiserne Osterhasen- und Nikolausformen, alte Lebensmittelfarbdöschen, eine mit Lederkeilriemen arbeitende Rührmaschine und ein wasserbetriebener Kühltisch.

Alte Pracht: Backstubenmuseum im Café Süßes Löchle in Lahr

Alte Pracht: Backstubenmuseum
im Café Süßes Löchle in Lahr

Auf der Arbeitsfläche steht ein wuchtiges, altes Telefon und eine alte, mit einer Handkurbel zu bedienende Gutsele-Maschine erinnert an einen historischen Moment. „Die Bonbonmaschine wurde zum letzten Mal am 20. Juli 1944 benutzt, am Tag des Hitler-Attentats“, erzählt Stadthistoriker Mietzner. Danach wurde der Zucker rationiert – und „ohne Zucker keine Bonbons“. Später, als es wieder Zucker gab, wurde die kleine Backstube vom Fortschritt eingeholt: „Industriell gefertigte Bonbons waren dann einfach billiger.“

Doch auch nach dem Zweiten Weltkrieg, bis in die 1980er Jahre, wurde hier in der Backstube noch gearbeitet. Dann wurde von einem Tag auf den anderen der Schlüssel genommen und abgeschlossen. „Als wir das Café samt Hinterhaus und Backstube 2005 übernahmen, haben wir noch Mehl und Hefe gefunden.“

Heute gibt es hier außer gutem Kaffee und Kuchen auch herzhafte Kleinigkeiten. Doch selbst dieses Angebot ist von der Geschichte bestimmt: Da das Innenleben unter Denkmalschutz steht, können weder große Kühlschränke noch eine moderne Küche eingebaut werden.

Die Gäste stört das nicht. Es sind die liebevollen, nostalgischen Details, derentwegen sie kommen: die roten Sitzbänke, Märchenfensterbilder und Samtvorhänge. Eintauchen in eine andere Zeit, innehalten, ungesehen, unentdeckt im Hier und Jetzt.

Süßes Löchle –
Café Hildebrand in Lahr

Das „Süße Löchle“ ist in Lahr am Urteilsplatz, Friedrichstraße 14, zu finden.

Ende Januar 2017 kaufte das Lahrer Ehepaar Adelheid und Roland Wagner das Süße Löchle und hat dessen Bestand und Sanierung garantiert. Die Aktiengesellschaft, der letztlich die Erhaltung des Traditionscafé zu verdanken ist, hat mit dem Verkaufsbentscheidung ihre Auflösung beschlossen. http://mehr.bz/bof7990

 

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Im Bann der blauen Stunde

Autorin: Ronja Vattes - rovline
Im Zwielicht der blauen Stunde: Eingekuschelt unter Rentierfellen geht es auf historische Schlittenfahrt durch die weiße Stille rund um Røros in Ostnorwegen. Bild: Ronja Vattes

Im Zwielicht der blauen Stunde: Eingekuschelt unter Rentierfellen geht es auf historische Schlittenfahrt durch die weiße Stille rund um Røros in Ostnorwegen. Bilder: Ronja Vattes

Mit einem Mal geht alles ganz schnell. Die weiße Landschaft zischt mit betörender Eintönigkeit an uns vorbei, der Motor röhrt, die klammen Hände klammern sich an die Griffe, die vom Wind tränenden Augen sind nur einen winzigen Moment abgelenkt durch das Glitzern des Eises, von der Unwirklichkeit dieser Landschaft – schon trägt es uns aus der Spur. Das Ungetüm buckelt über die harsche Piste, schnellt über eine Bodenwelle und – kracks! – eine kleine Birke muss ihr karges Leben lassen. Abrasiert von einem Schneemobil, irgendwo in der Einsamkeit Ostnorwegens. Das Gefährt bremst abrupt ab, der Totmannknopf, eine Sicherung, bewahrt uns vor Schlimmerem – und die anderen Birken auch.

Was für ein Kontrast! Der Wind peitscht über die Hochebene, rupft ruppig an uns, als wolle er uns hinfortzerren. War es wirklich erst gestern, als wir in Schichten von Winterklamotten verpackt, begraben unter dicken Rentierfellen in einem großen, historischen Pferdeschlitten lagen und gemütlich durch ein wahres Winterwunderland geschaukelt wurden? Betört vom Bann der blauen Stunde – jenem zauberhaften Zwielicht zwischen Tag und Nacht? Im Fackelschein und glöckchenbimmelnd ging es durch ein Städtchen namens Røros, dessen Geschichte mehr als 333 Jahre vom Abbau des Kupfererzes geprägt wurde und das mit seinen historischen bunten Holzhäuschen und dick verschneiten Sträßchen ein bisschen so aussieht, wie man sich das weihnachtliche Bullerbü aus den Kinderromanen Astrid Lindgrens eben so vorstellt.

Zwischen dem schnuckeligen Røros und unserer Schneemobiltour liegen auf der Landkarte nur wenige Kilometer – und doch scheinen es Welten zu sein, die die beiden Orte trennen.

Mobilität in Norwegen: Auf Schneemobilen durch die weiße Einsamkeit ...

Mobilität in Norwegen: Auf Schneemobilen durch die weiße Einsamkeit …

Mein Blick geht fragend über die Schulter zur Mitfahrerin – Daumen hoch –, auch ihr ist bei dem unfreiwilligen Abstecher in die Birke nichts passiert. Der kleine dürre Baum hatte nur wenig Widerstand geleistet gegen die mehr als 200 Kilo schwere Maschine. Zu karg sind die Böden dort oben, zu widrig Wetter und Wind und zu gefräßig die umherstreifenden Tiere, um die Birken zu stattlichen Bäumen heranwachsen zu lassen.

Der Rausch der Geschwindigkeit hatte mir wohl kurzzeitig die Sinne vernebelt, hatte mich unaufmerksam gemacht. Vielleicht aber war es auch dieses seltsam schwebende Gefühl, das uns hinfortgetragen hat. Schwebend, weil in Norwegens Winter der Himmel mit der Erde zu verschmelzen scheint. Vereint zu einem diffusen Weiß-Grau, das sich über die tief verschneite und vom Wind glattgeschliffene Hochebene zieht, keinen Anfang und kein Ende zu kennen scheint und sich am Horizont in der Unendlichkeit verliert. Ein schimmerndes Weiß-Grau, das uns jeglichen Zeitgefühls beraubt.

Und dessen Kälte uns unaufhaltsam in die Knochen kriecht. Nachdem wir das Schneemobil aus dem Tiefschnee wieder zurück auf die Strecke bugsiert haben, fahren wir weiter durch die weiße Weite, etwas vorsichtiger dieses Mal. Die Sonne müht sich, das Grau zu durchbrechen, gleißendes Nichts hüllt uns ein. Bald schon treffen wir auf den Rest unserer Reisegruppe und erreichen gemeinsam eine kleine graue Hütte, hingetupft in die weiße Einsamkeit. Sie gehört unserem Guide Stein Kverneng, einem kernig-kompakten Norweger, der des winters geführte Skilanglauf- und Schneemobiltouren sowie des sommers Wanderungen anbietet.

... auf dem Tretschlitten durch die Stadt ...

… auf dem Tretschlitten durch die Stadt …

Unten im pittoresken Røros wird viel getan, um nicht nur das Antlitz des alten Bergbaustädtchens, sondern auch seine Geschichte und seine Traditionen mit Ortsführungen, historischen Schlittenfahrten und Besuchen auf der Rentierfarm des indigenen Volkes der Samen zu bewahren. Als uns Stein Kverneng aber in seine Hütte führt, haben wir das Gefühl, einen sehr privaten Teil seines Lebens zu betreten. Kein gestyltes Ambiente, es sieht aus, als ob er erst vorgestern selbst noch hier geschlafen hätte. Während wir unsere vor Kälte roten Nasen dankbar über dampfenden Bechern wärmen und der Wind um die Hütte heult, beginnt der 41-Jährige zu erzählen.

Vom Leben wie es früher war. Von seinem Großvater, der die Hütte einst baute. Wie sie damals dessen Zuflucht wurde, als seine Frau bei der Geburt des achten Kindes starb und er die Kleinen alleine durchbringen musste. „Diese Hütte ist sein Vermächtnis“, sagt Stein, streicht sich mit der Hand bedächtig über die Glatze und blickt aus dem Fenster. Selbst in den hellen Tagen des Sommers könne es passieren, erzählt er weiter, dass an der Hütte über Tage, ja Wochen hinweg keine Menschenseele vorbeikomme, obwohl es zahlreiche Wanderwege. Wer dort oben übernachtet, muss die Einsamkeit schon mögen – und sich selbst am besten auch.

Manchmal organisiert Stein auf Anfrage für Paare ein schlichtes, rustikales aber romantisches Wochenende. Wie Stein so auf dem alten Sofa in der winzigen Hütte sitzt und erzählt, da mag man ihm gerne glauben, dass es ihm wirklich darum geht: Es soll für die Paare ein echtes Erlebnis werden – kein Event. Kein durchkommerzialisiertes Wellness-Wohlfühl-Tralala der gekauften Emotionen, sondern ein Wochenende, das in Erinnerung bleibt, weil es vom Naturerleben, vom Glück der Einfachheit lebt. Und vielleicht ist es das, was typisch ist für Norwegen.

... , oder mit dem Rentier vor dem Schlitten eine Runde drehen.

… , oder mit dem
Rentier vor dem Schlitten eine Runde drehen.

Wir müssen an Røros denken, wo alles so unfassbar hübsch ist, dass es fast schon weh tut. Wie die bunten Holzhäuser sich am Hügel eng aneinander schmiegen, die Dächer teils grasbewachsen. Hinter den Sprossenfenstern brennen warme Lichter, klecksen helle Inseln in die Dunkelheit. Røros ist seit 2013 mit dem Gütesiegel Nachhaltiger Tourismus zertifiziert und die Besitzer der Läden haben sich auf ihre Wurzeln besonnen und bieten Regionales. Rentiersalami und Käse, gestrickte Norwegerpullis, Outdoormode namhafter norwegischer Hersteller, Wolldecken mit skandinavischen Mustern, Süßes, Handgetöpfertes oder Lederwaren. Wer die für den kleinen Ort riesige, achteckige Kirche mit ihrer Königsloge sowie das Bergbaumuseum besichtigt, über die Kunst Per Lysgaards gestaunt hat und eine Pause braucht, der wärmt sich in der Kaffeestugga. Oder trinkt eines der regionalen Biere.

Selbst ein Zahnarztbesuch verliert wohl etwas von seinem Schrecken, wenn die Leidgeplagten in solch einem putzigen Häuschen behandelt werden. „Ich glaube, die Norweger müssen es sich in den Häusern so hübsch und gemütlich machen, weil das Wetter so rau ist und die Winter so dunkel sind“, mutmaßte eine Mitreisenden bei unserem Rundgang durch die nur 5500 Einwohner große Bergbausiedlung.

Und doch hatte die Kuscheligkeit von Røros nichts von miefig, eng oder beklemmend. Der Umgangston ist freundlich, die Leute wirken entspannt. Kinder in Restaurants sind kein geduldetes Übel, sondern wie selbstverständlich bei allem dabei. Der Weg zum Einkaufen oder zur Schule wird auf einfachen, aber höchst vergnüglich zu fahrenden Tretschlitten zurückgelegt. Und selbst im Straßenverkehr geht es derart gelassen zu, dass man es als Deutscher kaum fassen kann. Sind die etwa immer so? Vermutlich. Wozu auch aufregen? Es ist doch überall soviel Platz für alle da.

In der Hütte oben am Berg drängt Stein nun langsam zum Aufbruch. Als wir später am Tag bei minus sechs Grad auf einem anderen Teil der Hochebene die bunten Schirme der Snowkiter im Wind über den Himmel jagen sehen, müssen wir an das denken, was Stein zum Schluss in der Hütte sagte: „Wenn ich hierherkomme, fühle ich, wie alle Last und alle Sorgen von meinen Schultern fallen – hier bin ich frei.“

Norwegen

RØROS/NORWEGEN
Røros ist ein vom Bergbau geprägtes Städtchen mit 5500 Einwohnern, das auf 630 Metern Höhe in der Region Trøndelag in Mittelnorwegen liegt, nahe der Grenze zu Schweden. Seit 1980 ist es Unesco-Weltkulturerbe, denn es gilt als eine der ältesten noch erhaltenen Holzhausstädte Europas.
Anreise: Per Flugzeug von Frankfurt nach Trondheim und weiter mit dem Zug in rund zwei Stunden nach Røros.
Klima: Rau mit langen, kalten, schneereichen Wintern und kurzen Sommern.
Währung: 1 Euro entspricht rund 9 Norwegischen Kronen.
Unterkunft: Nostalgisch eingerichtet im Stil der 50er und relativ günstig: http://www.solheimpensjonat.no;
Historisch und sehr schön gelegen: http://www.vertshusetroros.no
Outdooraktivitäten: Schneemobiltour http://mehr.bz/snowmobi
Rentierfarm: http://www.rorosrein.no
Historische Pferdeschlittenfahrt: http://mehr.bz/histpferd
Huskytour: http://www.varghiet.com
Internet: http://www.visitnorway.de, de.trondelag.com sowie http://www.roros.no
Fotoalbum: http://mehr.bz/roros

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Der Romantik geht der Ofen aus

Autorin: Ronja Vattes - rovline

img_0083Mein Gott, wie spießig! So dachte ich damals, Ende der 1990er Jahre, beim Anblick der Pseudo-Kaminfeuer bei einer Studienreise durch England. Nie, absolut überhaupt nie, niemals würde mir so was Hässliches je in die Hütte kommen. Wenn Feuer, dann richtiges. Jahrzehnte später haben sich im Freundeskreis längst die meisten einen Schwedenofen (wie im Urlaub!), einen Kachelofen (voll retro!) oder gar einen Pizza-Flammkuchen-Brotback-kompatiblen-Indoor-Steinofen (so praktisch!) angeschafft. Verdammt gemütlich das Ganze. Die andere Hälfte des Freundeskreises hat flackernde LED-Kunstkerzen auf dem Adventskranz, die bei Bedarf ferngesteuert, dimmbar oder sogar ausblasbar sind. Romantik geht irgendwie anders, denken wir so im Stillen und zünden daheim wieder unsere echten Kerzen an. Doch seit dem Lesen eines Artikels sind wir uns nicht mehr so sicher: Sollen wir weiter neidisch sein auf die Ofen-Besitzer und die Stirn runzeln über die LED-Kunstkerzen – oder eher anders herum? Denn fast 30 Prozent des alarmierend hohen Feinstaubgehalts werden in Stuttgart angeblich von privaten Kaminfeuern in die Luft gepustet. Ein weiterer Artikel meldet, dass die CO2-Emissionen sowohl beim Verbrennen als auch bei der Produktion von Kerzen beträchtlich sind. Besser kein Feuer, keine Kerzen mehr am Baum? Irgendwie ist selbst Weihnachten verdammt kompliziert geworden.

Kinderarmband bringt Bewegung ins Familienleben

Autor: Anselm Bußhoff - offpulse
Garmin Vivofit jr. - Bild: Garmin

Garmin Vivofit jr. – Bild: Garmin

Trägen Nachwuchs auf Trab bringen, will ein Fitnesstracker, den Outdoorspezialist Garmin unter dem Namen „Vivofit jr.“ auf den Markt gebracht hat. Das wasserdichte Armband für Kinder im Alter zwischen vier und zehn Jahren kann natürlich Schritte, Schlaf oder Aktivität erfassen. Im Zusammenspiel mit einer kostenlosen App, die sich die Eltern aufs Smartphone laden, wird es zu einem kleinen Familienspiel. Vater oder Mutter können frei anzulegende Aufgaben wie „Zimmer aufräumen“, „Hausaufgaben machen“ oder „Flöte üben“ definieren. Gleichzeitig werden Belohnungen („Eisbahn“, „Kino“ oder auch „Spät ins Bett gehen“) hinterlegt. An diese gelangen die Kids mit dem Erledigen ihrer Aufgaben und dem Sammeln digitaler Münzen in einem Sparschwein. Für Aufgaben, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums (Zähneputzen) zu erledigen sind, lässt sich ein Timer aktivieren. Ist die Zeit abgelaufen, macht der Tracker mit leisem Gepiepse darauf aufmerksam.

Garmin Vivofit jr. – der Fitnessstracker für Kinder ist in drei verschiedenen Armbandversionen auf dem Markt, Die Batterie soll ein Jahr durchhalten. UVP 99,99 Euro.  http://www.garmin.de

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Wahnsinnig kreativ

Autorin: Ronja Vattes - rovline

Kein Fall für die Tonne: Das vom Sohn im Kindergarten für den Papa gebastelte BVB-Männle bleibt auf seinem analogen Ehrenplatz. Bild: Anselm Bußhoff

Kein Fall für die Tonne: Das vom Sohn im Kindergarten für den Papa gebastelte BVB-Männle bleibt auf seinem analogen Ehrenplatz. Bild: Anselm Bußhoff

Kreative Kleinkinder sind etwas Wunderbares. Versinken stundenlang im schöpferischen Tun, beneidenswert losgelöst von Normen und Druck. Malen Menschen mit fünf Augen, aber ohne Nase. Krakeln Häuser, bei deren Anblick jedem Statiker die Schweißperlen auf die Stirn treten. Lösen Papiertaschentücher im Trinkglas auf und beobachten, wie man mit kräftigem Rühren erst wunderbare Strudel zaubern und mit etwas mehr Schmackes sogar ganze Teppichböden unter Wasser setzen kann. Und wir pädagogisch wertvollen Eltern lassen sie voller Stolz milde lächelnd gewähren. Wenn die Kindergarten- und Grundschulzeit endlich überstanden ist, in der die Kinder jahrelang wie wild gebastelt, geklebt, geschnippelt, gebatikt, tongetöpfert, bis zur Extase Kordeln gedreht, Origami-Sternchen gefaltet und Wollebommel produziert haben – dann reicht’s auch den Eltern irgendwann. Die Schränke sind voll, die Schubladen quillen über, die Regale brechen unter der Last der Bastelwahnsinns-Endprodukte zusammen. Es ist Zeit für den großen Befreiungsschlag, um sich die eigene Wohnung zurückzuerobern. Die Rettung kommt wie so oft aus der schönen neuen Welt der Digitalisierung: Weil sich der Nachwuchs schwer von seinen verstaubten Werken trennen kann, werden sie gemeinsam fotografiert, digital in einer Wolke gespeichert – und dann analog in die Tonne gekloppt. Tja, auch Eltern können wahnsinnig kreativ sein.

Oma legt die Fische trocken

Autor: Anselm Bußhoff - offpulse
Daddelstunde - Bild: Anselm Bußhoff

Daddelstunde – Bild: Anselm Bußhoff

Dass Tablet und Smartphone mitunter eine magische Anziehungskraft auf Kinder haben, hat sich herumgesprochen. Dass dies nicht immer den besten Einfluss auf den Nachwuchs hat auch. Viele Eltern versuchen daher, ihre Sprösslinge möglichst lange von Geräten und Gedaddel fernzuhalten. So wird auch schon mal in Elternabenden weiterführender Schulen darüber diskutiert, ob nicht die Klassenlehrer – quasi kraft Amtes – den Umgang bis zur Klassenstufe sieben unterbinden können. Doch da haben die Eltern die Rechnung nicht nur ohne die Lehrer, sondern auch ohne die Großeltern gemacht. Während die einen hier die Grenzen ihres Lehrauftrages überschritten sehen, sind die anderen froh, wenn sie ihre Enkel hin und wieder mal zu Gesicht bekommen. Und was Opa und Oma recht ist, kann für die kleinen Gäste ja nicht falsch sein. Waren es früher die schlecht versteckten Süßigkeiten in Omas Nähkästchen, sind es heute die hinter dem längst bekannten Sperrcode liegenden Spiele-Apps auf dem Tablet neben Opas Ohrensessel. Da können sich die Aufenthalte bei den Großeltern schon mal hinziehen. Und spätestens, wenn die Tochter aus der Grundschule heimkommt und erzählt, dass sie sich jetzt endlich mit ihrem Tischnachbarn über Fishdom unterhalten kann, wird den Eltern klar, was Sache ist. Zuletzt ist jedoch wenig Gesprächsstoff hinzugekommen. Zum Leidwesen der Großeltern fallen die Besuche deutlich kürzer aus: Oma hat – versehentlich – die App gelöscht und Opa ist entfallen, wie er sie wieder aufs Tablet bekommt.

Im Land von Hagelslag, Poffertjes und Vanille Vla

Autorin: Ronja Vattes - rovline
Sonne, Schiffe, Sand und Meer im Land von Appelhapje und Hagelslag - Bilder: Anselm Bußhoff

Im Land von Appelhapje und Hagelslag: Sonne, Schiffe, Sand und Meer – Bilder: Anselm Bußhoff

Die ersten Tage waren meist der völlige Durchhänger. Nicht bei uns, sondern bei den Holländern. Zwei Monate geballter Touristenwahnsinn steckte ihnen in den Knochen, tausende meersehnsüchtige Deutsche hatten über Wochen ihre Strände in Beschlag genommen. Waren ungeduldig drängelnd in Bäckereien und Supermärkten Schlange gestanden. Hatten zumeist kein Wort Niederländisch rausgebracht, sondern waren wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass der gemeine Holländer schon irgendwie Deutsch verstehen würde. Anfang, Mitte September ist der Spuk stets vorbei. Die Jahreseinnahmen sind gemacht. Die Deutschen müssen zurück an die Arbeit, ihre Kinder wieder in die Schule.

Und Holland darf endlich wieder Holland sein. Mit zwar erschöpften, aber wieder lächelnden und einfach verdammt kinderfreundlichen Menschen. Genau deshalb sind wir jahrelang im September für drei, manchmal sogar vier Wochen an die Nordseeküste nach Zoutelande gefahren, um die goldene Herbstsonne, die leeren Strände, den Wind und die Wellen zu genießen – und die bezahlbaren Preise der Nebensaison.

Buddeln am Strand: Kinderglück in Zoutelande

Buddeln am Strand: Kinderglück in Zoutelande

Wir mochten Holland aber nicht nur wegen der Landschaft, den Dünen, den vorbeiziehenden Pötten, den endlosen Stunden am Strand, an dem die Kinder krabbeln, laufen und das Quallen sichten lernten. Nein, wir mochten Holland auch wegen seiner – von vielen anderen Deutschen belächelten – Sprache. Waren die Kinder noch klein, bekamen sie Appelhapje, was doch viel besser klingt als schnöder Apfelbrei aus dem Glas. Wollten wir mobil sein, liehen wir uns einen Bollerwagen oder Räder beim Fietsen Verhuur. Die Kinder lernten, wie lecker Vanille Vla met chocoladebolletjes mundet, ein Nachtisch, der in der Konsistenz irgendwo zwischen Vanillepudding und -soße hängt und sich wunderbar im ganzen Gesicht verschmieren lässt. Lekker Gesmaak – und eine echte Schweinerei.

Hatten wir am Strand genug gesandelt, gematschelt, geplanscht und Muscheln gesucht, kamen wir auf dem Rückweg hungrig am Stand mit den Poffertjes vorbei, jenen kleinen fluffigen Teigbällchen, die am besten schmecken, wenn man sie dick mit Puderzucker beschneit und in Vanillesoße ertränkt. Und unsere Kinder lernten, dass Hagelslag keine finsteren Wetteraussichten bedeutete, sondern Schokostreusel damit gemeint waren.

Ganz nah dran: Mal größere, mal kleinere - Pötte gucken an der Nordseeküste

Ganz nah dran: Mal größere, mal kleinere – Pötte gucken an der Nordseeküste

Bis 2009 waren wir nicht nur mit der wachsenden Zahl unserer eigenen Kinder unterwegs, meist sind auch die Oma, die Tante und ihr Freund dabei gewesen. Familienurlaub im besten Sinne – in getrennten Ferienhäusern, aber mit gemeinsamen Abendessen, Strandspaziergängen und Ausflügen.

Mit der Einschulung unseres Ältesten und dem Tod der Tante endete diese Tradition abrupt. Zu teuer, zu voll – und überhaupt zu traurig, zu leer ohne sie. Doch Holland fehlt uns. Die Kinder blättern manches Mal sehnsüchtig durch die alten Fotoalben. Und wenn es Pfannkuchen gibt, rufen sie wie selbstverständlich: „Lecker! Es gibt Pannekoeken!“

2017 wollen wir nach langer Pause noch einmal nach Holland, in „unser“ Haus am Meer. Es wird anders sein wie früher. Und uns wird bei dem Gedanken ein wenig schwer ums Herz. Doch immerhin werden sich die Kinder nun wohl nicht mehr den Vanille Vla im ganzen Gesicht verteilen.

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– Erschienen am 15. Oktober 2016 in der Rubrik „Gerne wieder“ im Magazin der „Badischen Zeitung“ http://mehr.bz/rov151016magholland

Als die E-Mails flügge wurden

Autor: Anselm Bußhoff - offpulse
Ein Praxistest aus dem Jahre 2003

Noch einmal schwappt eine E-Mail-Flut ins elektronische Postfach und dann ist einige Zeit Ruhe. So waren wir es gewohnt, wenn der Chef seinen Urlaub antrat. Doch dieses Jahr war plötzlich alles anders.

Statt letzte Anweisungen für die Zeit seiner Abwesenheit ins Mail zu tippen, hantierte unser Vorgesetzter diesmal kurz vor Urlaubsantritt mit einem – uns bis dahin unbekannten – blau schimmernden Gerät und verabschiedete sich anschließend, um Sonne, Strand und mehr zu genießen. Meinten wir wenigstens und schauten ihm eher irritiert hinterher: Keine To-Do- oder Abarbeitungsliste für die nächste Zeit? Kein da müsste, da könnte, da sollte? Was ist nur los?

Nicht einmal 24 Stunden später wussten wir es. In unseren E-Mail-Postfächern landeten die ersten Mails – vom Chef. Unserem Boss entging nichts mehr. Er war präsenter denn je, ist auf den „Blackberry“ gekommen. Nein, nein, das Teil bellt nicht und muss auch nicht an die Leine. Eher legt es die Mitarbeiter daran.

Abgespeckt, um am Markt zu bleiben: Das Blackberry Pearl verfügte nur noch über eine Telefontastatur. Genutzt hat's nichts. Foto: Anselm Bußhoff

Abgespeckt, um am Markt zu bleiben: Das Blackberry Pearl verfügte nur noch über eine Telefontastatur. Genutzt hat’s nichts. Foto: Anselm Bußhoff

Etwa so groß wie ein Kartoffelpuffer, aber mehrfach so dick, fällt das Gerät durch eine Unzahl von kleinen Knöpfen auf, die unter einem eher großflächigen Display drapiert sind. PDA, Handheld oder Organizer nennen sich solche Geräte heutzutage in der Fachsprache, während der Laie wohl eher von einem elektronischen Terminkalender spricht. Doch der Blackberry kann mehr. Neben Terminen planen, wichtige wie unwichtige Dinge notieren, Adressen und Aufgaben verwalten, lassen sich SMS verschicken, Telefongespräche führen und eben E-Mails empfangen und versenden – per GPRS und Push-Service. Ausrichten der Infrarotschnittstellen von Handy und PDA? Vorbei! Einwahl ins Firmennetzwerk? Überflüssig! Zeitraubendes Abrufen der Mails? Nicht nötig! Ganz ohne eigenes Zutun landen die E-Mails auf dem kleinen Gerät. Dateianhänge im Word-, PowerPoint- oder PDF-Format werden quasi „übersetzt“ und können ebenfalls gelesen und auch weitergeleitet werden.

Während Frau am Steuer des Firmenwagens (vermuten wir) gen Süden fuhr, wurde der Beifahrersitz zum Chefsessel. Unser Vorgesetzter ständig online. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Es blieb eine letzte Hoffnung: Die Erholung und familiäre Aktivitäten suchende Gattin möge, am Urlaubsort angekommen, mehr Aufmerksamkeit für sich und die Kinder fordern und den Blackberry für einige Zeit ins Körbchen verbannen. Doch auch diese Hilfe blieb versagt. Mails kamen, Mails gingen.

Schließlich kehrte nach vierwöchigem Urlaub gut gelaunt sowie bestens erholt und informiert der Chef zurück. War er wirklich fort gewesen? Wir hatten’s (fast) nicht bemerkt. Dafür aber, wie einfach so ein Blackberry zu handhaben sein muss. Der rechte Zeigefinger bedient Rädchen und Returntaste, startet und beendet aus dem übersichtlichen Menü heraus die diversen Anwendungen und Funktionen. Die Daumen hingegen hauen in die Minitastatur, wann immer es darum geht, Texte oder Zahlen zu erfassen. Einfacher geht’s kaum. Zumindest kurze Texte lassen sich so relativ rasch schreiben und versenden.

So ersetzt denn der Blackberry im Urlaub oder auf Geschäftsreise problemlos den PC am Arbeitsplatz, zumal er sich nicht nur mit darauf installierten Microsoft-Outlook- oder Lotus-Notes-Programmen synchronisieren lässt, sondern – mit Hilfe entsprechender Software – Termine und Adressen auch mit dem Firmenserver abgleichen kann. Damit kann das Sekretariat die Termine des Chefs auch dann koordinieren, wenn dieser weitab des Firmensitzes seine „Dates“ eingibt.

Die Serversoftware ist allerdings keine Voraussetzung für den Einsatz des Blackberry. Auch private E-Mail-Accounts lassen sich über eine Internetadresse recht unkompliziert für die Nutzung konfigurieren. So hat das kleine, mobile Gerät nur ein Problem. „Wer einmal diese ausgereifte Technik in der Hand hatte, will sie nicht mehr missen“, resümierte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und hielt fest: „Der Blackberry macht süchtig.“ Hätte denn unser Chef nicht besser das Rauchen anfangen können?

Blackberry gehörte einst zu den Pionieren im Smartphone-Geschäft. Der Name galt als Synonym für Computerhandys. Die Übermacht der Apple- und Android-Geräte verdrängte den weltweiten Marktanteil des kanadischen Unternehmens aber inzwischen in die Bedeutungslosigkeit. Ende September hat Blackberry nun angekündigt, selbst keine Computer-Handys mehr entwickeln zu wollen. Als Software-Entwickler will das Unternehmen weiterleben.

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Mit Pfeil und Bogen auf die Jagd

Ziel suchen, Position einnehmen, die Sicherheit prüfen, Pfeil einlegen - und Schuss! Bilder: Anselm Bußhoff

Ziel suchen, Position einnehmen, die Sicherheit prüfen, Pfeil einlegen – und Schuss! Bilder: Anselm Bußhoff

Autorin: Ronja Vattes - rovline
Und weg ist der Pfeil: Othmar Reinstadler erklärt gestenreich die vier Grundregeln des Bogenschießens.

Und weg ist der Pfeil: Othmar Reinstadler erklärt gestenreich die vier Grundregeln des Bogenschießens.

„Ziel suchen, Position einnehmen, die Sicherheit prüfen – und erst dann den Pfeil einlegen!“ Wie ein Mantra hat Othmar Reinstadler uns gefühlte hundert Mal diese vier Schritte eingeschärft. Und das ist gut so. Denn Pfeil und Bogen sind eine starke Waffe. Eine gefährliche obendrein. Das wissen zumindest wir Eltern, die wir noch mit den Abenteuern Winnetous großgeworden sind. Unsere Kinder kennen Winnetou nicht einmal. Doch auch sie zieht Othmar in seinen Bann – obwohl die Einweisung fast zwei Stunden dauert, bevor wir endlich richtig schießen dürfen. Mitten im Wald bei Pfunds im Tiroler Oberland stehen Bären, Gämsen, Füchse als 3-D-Attrappen. Brav suchen wir jeweils unser Ziel, nehmen die Position ein, checken die Sicherheit, legen den Pfeil ein und schießen – daneben. Dabei rühren sich die anvisierten Viecher noch nicht einmal von der Stelle. Von Mal zu Mal werden wir besser. Die beiden Steinböcke nahe der urigen Blockhütte sehen bald aus wie aufgespießt. Die Kinder jubeln. Nur die Murmeltiere will keiner von ihnen abschießen: „Die sind so süß – das geht nicht!“

(Noch) kein Pfeil in Sicht: Trockenübungen auf der Bogensportanlage in Pfunds

(Noch) kein Pfeil in Sicht: Trockenübungen auf der Bogenschießanlage in Pfunds

Bogensportparcours in Pfunds:
http://www.bogensport-pfunds.at
Kontakt: Tourismusverband Tiroler Oberland
Ried: +43 (0) 50 225 100
Pfunds: +43 (0) 50 225 300
http://www.tiroler-oberland.com

– Erschienen am 1. Oktober 2016 in der Rubrik „Fluchtpunkt“ im Magazin der „Badischen Zeitung“ http://mehr.bz/rov011016fpmagbogen