Wie alles begann

Der 11. November 1976 wird sicher nicht in die Geschichtsbücher eingehen. Es ist auch kein Tag, der dem damaligen Leiter der Redaktion Emmendingen hätte in Erinnerung bleiben müssen. In der Rückschau darf wohl unterstellt werden, dass das Ereignis an ihm vorbeiging. Unter der Überschrift „Lausbuben übten ,Matterhorn‘“ waren auf der zweiten Emmendinger Seite die ersten Zeilen eines damals 18-Jährigen erschienen. Es sollten nicht die letzten bleiben – auch wenn einige Zeit verging, bis diese erstmals mit dem Kürzel „amb“ gezeichnet waren.

Zunächst beschränkten sich die schreiberischen Aktivitäten auf jährliche Artikel über die Ausflüge der Ministranten von St. Bonifatius. Berichte über das Agieren und Agitieren der Jungen Union und aus dem Leben der katholischen Pfarrgemeinde schafften es später auf die erste Seite des Emmendinger Lokalteils und damit ins Blickfeld des Ressortleiters, Adrian Hennenbruch (1930 – 2017).

Es muss das Jahr 1979 gewesen sein, als zunächst dessen Frau, dann aber auch er selbst mich ansprach, ob ich nicht auch andere Themen angehen wolle. Ich versprach, es zu versuchen. Das Schreiben machte mir großen Spaß und meine parteipolitische Tätigkeit ging gerade dem Ende entgegen – die persönlichen Gedankenflüge passten nicht in die Enge einer Parteiräson. Während mein Vater mit großer Skepsis mein Tun verfolgte und gerne erzählte, „er isst nicht, was ich koch’ und ich lese nicht, was er schreibt“, war es Adrian Hennenbruch, der mir den Rücken stärkte.

Zwar haben andere mir das Redigieren und Spiegeln von Seiten beigebracht, doch schreiberisch war der damalige Lokalchef mein Mentor, wie er es viele Jahre später einmal selbst ausdrückte. Hennenbruch machte sich nicht mit ätzender Kritik über die Manuskripte her, sondern deutete mit behutsamen Hinweisen an, wo er Möglichkeiten der Verbesserung sah. Vor allem die wenigen Tage, in denen wir beide alleine das Blatt machten, habe ich in guter Erinnerung. Es war ein sehr unaufgeregtes Arbeiten, bei dem er es nie an Rat, Hilfe und Unterstützung missen ließ.

Mag unsere Sicht der Dinge hin und wieder eine andere gewesen sein, Probleme ergaben sich dadurch nie. Wenn die Argumente und Fakten stimmten, hat er geholfen, die Geschichte rund zu machen. Unvergessen die Glosse „Wenn doch der Flügel Flügel hätte“, die durch seine Hilfe Schwung bekam. Und dies, obwohl er ahnen musste, dass der Vorsitzendende des Kulturkreises die Veröffentlichung nicht unwidersprochen hinnehmen würde. Selbst wenn Adrian Hennenbruch mitunter Kreuzprobleme drückten, an Rückgrat hat es ihm nie gefehlt.

Deckungsgleich waren unsere Auffassungen allerdings bis zuletzt nicht. Seine Frau erzählte mir einmal, sein Anspruch sei gewesen, für die Geschichte zu schreiben, oder besser, Geschichte festzuhalten. Ich hingegen wollte und will etwas erzählen, also Geschichten schreiben. Dass mir dies bis heute gelingt, dazu hat er den Anstoß gegeben und den Grundstein gelegt.
Anselm Bußhoff