Gänsehaut in Trondheim

Autorin: Ronja Vattes - rovline
Eine riesige Kirchen zu Ehren eines Wikingerkönigs: Über dem Grab des Heiligen Olav wurde der Nidaros-Dom in Trondheim erbaut. Bild: Ronja Vattes

Eine riesige Kirchen zu Ehren eines Wikingerkönigs: Über dem Grab des Heiligen Olav wurde der Nidaros-Dom in Trondheim erbaut. Bild: Ronja Vattes

Sie ist nahe ans Wasser gebaut – und dennoch von fröhlicher Natur: die Stadt Trondheim in Mittelnorwegen bezaubert Besucher schon auf den ersten Blick mit ihrer teils erhabenen Lage am Meer und den bunten Holzhäusern im Bakklandet-Viertel, wo sich Cafés, kleine Kunsthandwerksläden und Modeboutiquen aneinander reihen. Im Sommer tanzt dort das pralle Leben. Die vielen Studenten und Familien haben ihren Anteil daran. Munter klingelnd beherrschen dann Radfahrer das Straßenbild. Liegestühle mit Blick aufs Wasser säumen die Cafés und Kneipen.

Selbst im Winter trotzen die Norweger tapfer den eisigen Temperaturen. Am alten Hafen wird bei Minusgraden abends draußen auf der Terrasse gegessen, so entspannt gelacht und geplaudert, als ob der Norweger an sich aus einem anderen Holze wär. Getreu dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Einstellung. Okay, zugegeben, ein bisschen nachhelfen tun sie doch, mit dem ein oder anderen Heizpilz. Doch nicht einmal die würden uns süddeutschen, vom milden Klima verwöhnten Frostbeulen heute helfen.

So stapfen wir bibbernd weiter, am Kai entlang mit seinen alten Speicherhäusern, weiter über die historische Altstadtbrücke, die 1681 gebaut wurde und deren hölzerner Torbogen „Lykkens Portal“ – Glücksportal – genannt wird.

Unser Ziel ist ein anderes: der Nidaros-Dom. Um diesen Prachtbau und seine Geschichte faszinierend zu finden, muss man mit Religion nicht zwangsläufig etwas anfangen können. Der Gänsehautfaktor stellt sich auch so ein: Als der von vielen verehrte Wikingerkönig Olav Haraldsson in einer Schlacht 1031 ums Leben kam und angeblich exakt ein Jahr und fünf Tage später selig gesprochen wurde, kamen immer mehr Pilger zu seinem Grab in das dereinst dünn besiedelte Nidaros. Deshalb begann man 1070 eine Kirche zu bauen – genau über dem Grab des heiligen Olavs. Erst 1300 erlangte der Bau seine volle Pracht. Allein im Mittelalter wurden dort sieben Könige gekrönt und zehn begraben. Immer wieder musste der Dom erweitert und verändert werden.

Wer heute durch das riesige Gotteshaus schlendert, entdeckt stumme Zeugen dieser Entwicklungen: romanische und gotische Elemente, Hölzernes und Steinernes sowie königliche Gebeine in der Krypta. In der Kirche selbst wird das Alte Testament in Blautönen inszeniert, das Neue Testament in warmen Rottönen. 9600 elektrisch gesteuerte Orgelpfeifen sowie eine weitere barocke und mit Muskelkraft betriebene Orgel sorgen für einen unglaublichen Klang. Beim Barockfestival lebt in Trondheim die Tradition alter Musik wieder auf. Und beim Saint Olavs Festival 2015 war die ganze Stadt Tag und Nacht auf den Beinen, um bei den Konzerten dabei zu sein. Der heilige Olav soll viele Wunder vollbracht haben. Das kann man glauben oder nicht – aber für den durchgefrorenen Stadtrundgänger erweist sich der Schutz der Kirche als echter Segen.

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