Auf imaginären Bikes den Abhang runter

Autorin: Ronja Vattes - rovline
Alles (noch) ganz harmlos: Die ersten Meter auf einer TraiHälstrecke - noch zu Fuß - Bilder: Anselm Bußhoff

Alles (noch) ganz harmlos: Die ersten Meter – zu Fuß – auf einer im Bau befindlichen Trailstrecke – Bilder: Anselm Bußhoff

Harmlos sieht sie aus, die Wiese, hübsch geblümt und sanft abfallend. „Hier geht’s los mit dem Rad“, sagt Thomas Schranz, zeigt mit den Händen hierhin und dorthin, aber wir sehen: nichts. Können wir auch nicht. Denn außer ein paar kleinen roten Fähnchen in der Grasnarbe ist von dem rund drei Kilometer langen Mountainbike-Trail an jenem Tag im August an der Bergstation Fendels im Tiroler Oberland noch nicht viel auszumachen.

Die Strecke wird gerade angelegt, soll zur Sommersaison 2017 eröffnet werden, und wir sind zu einer kleinen Wandertour mit Schranz verabredet. Der Mann ist Wegebauer. Bodenständig, kernig und alles andere als einer dieser hibbeligen Mountainbike-Freaks, die sich ohne Abschluss einer Lebensversicherung todesmutig die Hänge herunterstürzen. Und doch hat ihn das Projekt gepackt. „Normalerweise baue ich Wanderwege – das hier ist für mich auch Neuland, eine Herausforderung.“

Fehlt nur noch die Brücke: Klettertour auf einem künftigen Bike-Trail

Fehlt nur noch die Brücke: Klettertour auf einem künftigen Bike-Trail

Wer mit einem Wegebauer auf Tour geht, hätte ahnen können, dass der einen dorthin mitnimmt, wo es noch keine Wege gibt. Uns wird es spätestens jetzt klar, da wir in den Abgrund blicken. Unser Weg führte bereits eine gute halbe Stunde von Fendels bergab durch hüfthohe Gräser, durch Gebüsche und Schlammgruben, über Baumstämme und Steine. Bis zu jener Stelle, wo wir nun stehen: Ein grandioser Blick am Rande einer Schlucht, durch die ein Bergbach zischt.

„Das wird super!“, bricht sich des Wegebauers Begeisterung Bahn. „Das werden spektakuläre Bilder, wenn die mit ihren Bikes und der Helmkamera hier die Schlucht queren und das auf Youtube stellen“, sagt er und fügt hinzu: „Von der Brücke aus bietet sich dafür der perfekte Blick.“ Einziger Haken: Die Brücke gibt es noch nicht. „Die bauen wir als Letztes.“ Und so bleibt uns nur, den Steilhang runter ins Flussbett abzusteigen, von Stein zu Stein balancierend den Bach zu queren und auf der anderen Seite durchs Gestrüpp wieder hinauf zu kraxeln.

Wegebauer Thomas Schranz

Wegebauer Thomas Schranz

Im unteren Abschnitt ist der Wildbachtrail schon ausgebaut, zieht sich kurvenreich durch einen knorpelig-bemoosten dichten Zauberwald. Wir sind froh, nicht auf einem Bike mit Affenzahn hier herunterzurasen, sonst würde uns die hinreißende Schönheit dieser Ecke im Oberinntal glatt entgehen. Es riecht nach frisch geschlagenem Holz. Nach Harz und Abenteuer. Schranz drückt jedem von uns einen Stock in die Hände – als Lenker. Wir steigen grinsend auf unsere imaginären Bikes, rennen los, legen uns in die Kurve. Ja, das wird spektakulär, wenn die Strecke fertig ist. Aber wir hatten genug Spaß und Adrenalin. Den wahren Streckentest überlassen wir dann den echten Bikern.

WILDBACHTRAIL
2,9 Kilometer lange Mountainbike-Strecke von Fendels nach Ried hinunter, auch über eine 28 Meter lange Hängebrücke; maximales Gefälle 40 Prozent; Eröffnung: Sommer 2017
Kontakt: Tourismusverband Tiroler Oberland, +43 (0) 50 225 100, http://www.tiroler-oberland.com

Downhill - noch zu Fuß. Künftig geht's hier auf dem Mountainbike zu Tal.

Downhill – noch im Sauseschritt und mit Stock statt Lenker. Künftig geht’s hier auf dem Mountainbike zu Tal.

– Erschienen am 1. Oktober 2016 in der Rubrik „Gerne wieder“ im Magazin der „Badischen Zeitung“ http://mehr.bz/rov010816magfendels

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