Ahoj! Zurück in die Kindheit

Autorin: Ronja Vattes - rovline
Erinnerungen an die Kindheit: Ahoj-Brause-Brocken - Bild: Frigeo

Erinnerungen an die Kindheit: Ahoj-Brause-Brocken – Bild: Frigeo

Wir hätten ihm gar nicht so viel Leidenschaft zugetraut, dem Kollegen. Ist er doch eher der gediegene Typ, der im Winter gerne schlichte Wollpullover mit ordentlich gebügeltem Hemd darunter trägt. Vor einiger Zeit aber stapelten sich auf seinem Schreibtisch fünf große Packungen mit Ahoj-Brausebrocken. Auf die vorsichtige Nachfrage, ob er damit einen ganzen Kindergarten in Zuckerschock versetzen wolle, huschte ein zartes Rot über seine Wangen, ein Funkeln trat in seine Augen und mit verschmitztem Grinsen gab er zu: „Die esse ich selber. Die erinnern mich an meine Kindheit!“

Nun könnten wir die Begebenheit schlicht auf sich beruhen lassen, aber der Kollege scheint kein Einzelfall zu sein mit seiner Sehnsucht zurück in Kindheitstage. Wer die magische Grenze des 40. Geburtstags überschritten hat, bekommt dieses verzückte Lächeln, wenn im Radio ein Hit der 1980er Jahre erklingt, zu dem dereinst mit der ersten Liebe getanzt wurde. Oder wenn im Supermarkt (nur für kurze Zeit!) die gute, alte Fanta in der geribbelten Glasflasche steht und die Packung Twix (Limited Edition!) endlich wieder Raider heißt.

Da sehnen wir uns doch tatsächlich wehmütig in eine Zeit zurück, in der wir leiernde Musikkassetten hörten und unsagbar hässliche Klamotten trugen. Und denken: Ach, was hatten wir es doch gut! Wir waren so verdammt jung, jeder Tag steckte voller Abenteuer – ob am Baggersee, in Nachbars Kirschbaum oder beim Räuber- und Gendarm-Spielen. Aber ist das alles der wahre Grund?

In Wirklichkeit beneiden wir uns um unsere damalige Unbeschwertheit. Kein Smartphone sagte uns, dass in Idomeni auf Flüchtlinge geschossen wird. Dass der Klimawandel immer schneller voranschreitet. Dass schon wieder ein Krieg ausgebrochen ist, Frauen missbraucht wurden und die nächste Finanzkrise droht. Seufzend bitten wir den Kollegen um ein Brausebonbon – und bedauern die Kinder von heute: Sie müssen so verdammt früh erwachsen werden

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