Die Sache mit dem Osterhasi

Autorin: Ronja Vattes - rovline
Funktioniert Osterhasi so wie Nikolausi? Bild: Anselm Bußhoff

Funktioniert Osterhasi so wie Nikolausi? Bild: Anselm Bußhoff

Was war das Familienleben doch spannend, als die Kinder noch klein waren und an Nikolaus, Christkind und den Osterhasen glaubten. Wochenlang fieberten sie dem Nikolaus entgegen, malten ihm Bilder, bastelten Kleinigkeiten und legten diese stolz am Abend des 5. Dezember vor die Haustür. Mit vor Aufregung roten Bäckchen öffneten sie am nächsten Morgen die Tür – und quietschten beglückt, wenn ihre Ministiefelchen zum Dank mit Tannenzweigen, Süßigkeiten und einer kleinen Überraschung gefüllt waren.

Der Älteste aber hatte ein gutes Gedächtnis und eine noch bessere Idee: Im nächsten Jahr bastelte er schon Ende November ein Kunstwerk, schlich im Schlafanzug raus und legte es hoffnungsvoll vor die Tür. Und weil Eltern soviel Engagement und Klugheit ganz dusselig rührt, spielten wir mit. Zwei Tage schwamm das Kind im Glück, dann war sein Basteleifer endgültig entfacht: Was am 30. November geklappt hatte, müsste auch am 3. Dezember funktionieren. Und am 6. und am 9. und am 12. Dezember.

Bald schon gerieten der gütige Nikolaus und das holde Christkind mächtig unter Druck, mussten Nacht für Nacht die Krakeleien des Ältesten und bald auch jene seiner Geschwister verschwinden lassen und voller Dankbarkeit Bonbons oder Schokotäfelchen vor die Tür legen. Jeden Fetzen Papier auf der Fußmatte untersuchten wir irritiert: Ist das Kunst für den Nikolaus oder kann das in den Müll?

Als im Vorjahr selbst die Jüngste verkündete, sie bräuchte nichts zu basteln, schließlich seien wir Eltern ja Nikolaus und Osterhase, ließen wir den Hokuspokus erleichtert sein. Sehr zum Missfallen unserer Kinder: „Ihr seid ja so gemein!“

Sind wir nicht. Wir haben dem Osterhasi etwas gebastelt und einen Brief geschrieben, dass wir uns ein schönes Osterfrühstück und ein aufgeräumtes Kinderzimmer wünschen. Beides legen wir heute Abend vor die Tür. Wenn es den Osterhasen wirklich gibt, sollte das wohl kein Problem sein. Und dann bringt er sicher auch den Kindern wieder was.

– Erschienen am 26. März 2016 in der Rubrik „Unterm Strich“ der „Badischen Zeitung“ http://mehr.bz/bofus1671

Online---pol1_26.03.2016

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