Das Herz sagt bleib‘, der Kopf schreit geh‘

kolping-page-002Lieber Vorsitzender,

ich träumte von einer Kolpingfamilie,
in der Platz ist für alle.

Ich träumte von einer Kolpingfamilie,
in der jeder mit jedem redet,
in der Konflikte fair ausgetragen werden,
in der sich jeder freut,
dazuzugehören.

Ich träumte von einer Kolpingfamilie,
in der sich alle wohl fühlen,
bei der eine richtige Gemeinschaft entsteht.

Ich glaube nicht mehr an diesen Traum.

Erlebt habe ich zuletzt eine Kolpingfamilie,
in der kein Platz mehr für mich ist,
in der Teile des Vorstandes nicht mit,
sondern schlecht über Mitglieder reden,
Mitglieder ausgrenzen,
Mitglieder als Querulanten und Störenfriede bezeichnen,
gar über Ausschlussverfahren schwadronieren.

Mir ist die Freude an einer Kolpingfamilie vergangen,
in der der Vorstand sich selbst genug ist,
in der Teile des Vorstandes eher intrigieren statt integrieren.

Die eigene Meinung zum einzigen Maß der Dinge zu machen,
ist weder die Basis für ein christliches Miteinander
noch im Sinne Adolph Kolpings.

Nach reiflicher Überlegung und diversen Gesprächen,
die mit den Erstkommunionsvorbereitungen unseres Mittleren einhergingen,
habe ich mich daher entschlossen,
mit dem Tag seiner Erstkommunion nicht weiter Störenfried und Querulant zu sein,
den Frieden von Teilen des Vorstandes nicht weiter allein durch meine Mitgliedschaft stören zu wollen.

In trete hiermit aus der Kolpingfamilie Emmendingen aus!

Da ich dem Kolpingwerk – ideell und organisatorisch – verbunden bleibe,
schließe ich auch diese Mail mit einem

Treu Kolping!

NACHTRAG
Nach 35-jähriger Mitgliedschaft in der Kolpingfamilie Emmendingen bin ich seit April 2015 Einzelmitglied des Kolpingwerkes. Geblieben ist der aus einer Kolpingjugendgruppe entwachsene dienstägliche „Bubenabend“. Einst Dienstagsgruppe der Kolpingfamilie firmiert er heute als „Kölner Treff“. Hierzu gehören neben Ehemaligen auch ein noch eingeschriebenes Mitglied der Emmendinger Kolpinggemeinschaft. Der persönliche Kontakt zu Mitgliedern der Kolpinggemeinschaft hat unter dem Austritt nicht gelitten. Geblieben ist indes ein Nachtreten aus Reihen des Vorstandes. Seit dem Austritt betrachte ich dies als Vereinsfolklore.

RÜCKBLICK
Das (un)freiwillige Verlassen der Kolpingfamilie Emmendingen hat im Übrigen in der Familie Bußhoff Tradition. Nachdem er einst in Rhede/Westfalen der Kolpinggemeinschaft beigetreten war, wechselte mein Vater mit seinem Umzug nach Emmendingen in die hiesige Kolpingfamilie. Da aber Geschäft und ein mit der Geburt schwerkrankes Kind bald ein aktives Engagement nicht mehr zuließen, blieb mein Vater der Ehrung zu seiner 25-jährigen Mitgliedschaft fern. Ihm war es peinlich, für Nichtstun eine Nadel angesteckt zu bekommen. Daraufhin wurde er aus der Kolpingfamilie Emmendingen ausgeschlossen.

Ein Gedanke zu “Das Herz sagt bleib‘, der Kopf schreit geh‘

  1. Auch das ist Deutschland. Vereinsmeierei und Vorstandsgschaftelei ihrer selbst willen…
    Ein kluger Entschluss, sich abzusetzen. Denn so etwas braucht kein Mensch.
    Well done.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s