Schluss mit Lustig

Autorin: Ronja Vattes - rovline

Fernsehbild ZDF

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Was war das Leben früher doch einfach! Mit fünf, sechs Jahren schien unsere kleine Welt aus Tagen voller Sonnenschein zu bestehen – und alle Wege führten  von der Haustür bis zum Freibad, auf den Bolzplatz oder in den Kirschbaum in Nachbars Garten, wo wir heimlich in den Zweigen saßen und naschten, bis wir erwischt wurden.

Nur manchmal schienen  die Tage zu lang und öde zu sein – wenn wir krank  oder alle  Freunde verreist waren. Doch dann gab es ja immer noch ihn. Den Mann im Fernseher. Er war nachmittags für uns da, hatte Zeit und tröstete uns mit seiner warmherzigen Art  und seinem verschmitzten Lächeln: Wenn er in seiner blauen Latzhose, die runde Silberrandbrille auf der Nase aus dem Fenster seines Bauwagens lugte, wussten wir: Alles wird gut. Er nimmt uns an die Hand, erklärt uns die Welt. Nicht die große weite  Welt mit ihren Problemen, Kriegen, Sorgen und Nöten, sondern unseren Alltag, der in Kinderaugen noch voller Wunder steckte.

Einmal rappelte in der Sendung sein Wecker lautstark und um ihn ruhig zu stellen, schaltete er ihn nicht einfach aus, sondern stülpte einen Eimer drüber – was grauenvoll schepperte. Sein entsetztes Gesicht  brachte uns heftig zum Lachen, doch wir kapierten: Ein Kissen schluckt den Schall besser. Aber auch was er uns sagen wollte: Probiert es selbst aus! Seid neugierig! Entdeckt die Welt!

Inzwischen sind wir selbst erwachsen, die Welt reicht nicht mehr nur bis zum Freibad und auf den Kirschbaum in Nachbars Garten. Wir wissen leider nur zu gut um  die Probleme und Kriege auf der Welt – und dass wir nicht ewig Kind sein können. Aber bei manchen Nachrichten siegt der kindliche Trotz.  Wir werden uns eine Fanta-Klassik kaufen, aufs Sofa sitzen, Fernseh gucken und heimlich ein paar Tränen vergießen. Denn Peter Lustig ist tot. Der Mann, der uns mit seiner Sendung „Löwenzahn“ durch die  Kindheit begleitet hat. Und mit einem tiefen Seufzer schalten wir am Ende ab und kehren zurück ins echte Leben – wie er es einst auch am Ende jeder Sendung forderte.

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