Karl Rahner – ein knorriger Südbadner

Autor: Anselm Bußhoff - offpulse

Im Herzen der Stadt: In der St.-Bonifatius-Kirche in Emmendingen zelebrierten sowohl Karl Rahner als auch der heutige Mainzer Kardinal Karl Lehmann manchen Gottesdienst. Bild: Anselm Bußhoff

Karl Rahner gilt als einer der, die das II. Vatikanische Konzil mit beeinflusst haben. Er hatte damals einen Gegenentwurf zum Konzept der Theologischen Kommission verfasst. Karl Lehmann, heute Mainzer Kardinal, war sein Schüler, Assistent und Freund. Beide haben Bezug zu Emmendingen.

Die ersten vier Jahres seines Lebens verbrachte der am 30. März 1984 in Innsbruck gestorbene Jesuit, katholische Theologe und Religionsphilosoph Karl Rahner in Emmendingen.

Zwar ist Rahner laut Geburtsurkunde gebürtiger Freiburger, doch Rahners Eltern und sein vier Jahre älterer Bruder Hugo lebten damals in der Emmendinger Wilhelmstraße. Vater Karl war ein beliebter Lehrer und Karl junior wäre wohl auch in Emmendingen zur Welt gekommen, wenn die Ärzte von Mutter Luise nicht Angst vor Komplikationen gehabt hätten. Daher erblickte er am 5. März 1904 in einer Freiburger Privatklinik das Licht der Welt. In Emmendingen machte er seine ersten Schritte und lernte zu sprechen. 1908 wurde der Vater nach Freiburg versetzt, die Familie zog um.

1922 schloss sich Karl Rahner dem Jesuitenorden an, verließ Freiburg und studierte später Philosophie und Theologie. 1932 wurde er zum Priester geweiht. 1934 bis 1936 kam Rahner zurück nach Freiburg, um bei Martin Heidegger, der ihn besonders beeinflussen sollte, weitere vier Semester Philosophie zu studieren. Seine ursprüngliche Absicht, in diesem Fachgebiet zu promovieren, ließ er fallen und wechselte ein weiteres Mal zur Theologie. Als Professor lehrte er in Innsbruck, München und Münster.

Karl Rahner, der mit seiner knorrigen, kämpferischen und mitunter provozierenden Art als „typisch südbadisch“ galt, ist zweifellos einer der bedeutendsten Theologen des zurückliegenden Jahrhunderts.

Unter anderem gelang es ihm, zunächst als Konzilsberater des Wiener Kardinals König und später als offizieller Konzilstheologe, das II. Vatikanische Konzil maßgeblich zu beeinflussen. Für Aufregung sorgte Rahner gleich zu Beginn, als er zusammen mit Joseph Ratzinger, dem späteren und inzwischen emeritierten Papst Benedikt XVI., einen Gegenentwurf zum Konzept der Theologischen Kommission verfasste.

„Handlanger“ Rahners war in jenen Tagen sein Schüler sowie späterer Assistent und Freund Karl Lehmann. Der heutige Kardinal, Bischof von Mainz und langjährige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ist ebenfalls nicht ganz ohne Bezug zu Emmendingen. In den siebziger Jahren zelebrierte Lehmann regelmäßig den Acht-Uhr-Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Bonifatius. Ein entsprechender Hinweis findet sich auch in der 2002 im Pattloch-Verlag erschienenen Biographie „Der Kardinal – Karl Lehmann“ von Daniel Deckers.

Rahners Emmendinger Jahre wären wohl in Vergessenheit geraten, wenn er nicht selbst daran erinnert hätte. Im Rahmen einer seiner zahlreichen Vorträge, die ihn immer mal wieder hierher führten, machte Karl Rahner Ende der sechziger Jahre „mit einigem Stolz“ selbst darauf aufmerksam, ein Kind dieser Stadt zu sein.

Die Ehrenbürgerwürde wollte ihm allerdings die Stadt Freiburg verleihen. Karl Rahner ist aber zuvor gestorben.

Karl Rahner (links) und Karl Lehmann 1973 auf der Synode in Würzburg. Bild: Harald Oppitz

Karl Rahner (links) und Karl Lehmann 1973 auf der Synode in Würzburg. Bild: Harald Oppitz

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