Verwirrendes zum Weltherztag

Autorin: Ronja Vattes - rovline
Ein wahres Wunder - das Herz!

Ein wahres Wunder – das Herz! Bild: Anselm Bußhoff

Wir Menschen sind schon wundersame Wesen. Nicht nur, dass der Arbeitsmarkt von uns fordert, blutjung, voller Berufserfahrung, allzeit bereit und stets flexibel zu sein. Auch unser Körper – also jenes uralte Ding, das sich seit der Steinzeit praktisch nicht wesentlich modernisiert hat – scheint mitunter wie geschaffen für den Arbeitsmarkt im 21. Jahrhundert zu sein. Schließlich ist er ja selbst unglaublich flexibel. Und damit ist nicht nur der in Politikerkreisen bekannte Wendehals gemeint.

Nehmen wir das Herz: Eigentlich ist es anatomisch in der linken Brusthälfte verortet. Wenn wir aber hilfsbereit sind, haben wir plötzlich das Herz am rechten Fleck. Ein wahres Wunder! Wenn wir schnell rennen, dann klopft es uns bis zum Hals. Holla! Erschrecken wir uns, rutscht es uns in die Hose. Wohin? Das wollen wir lieber nicht so genau wissen. Aber sicher ist: Verdammt flexibel, das Teil. Außer, es zerbricht vor lauter Liebeskummer – dann schmerzt es höllisch. (Was irgendwie seltsam ist, da Liebe ja angeblich durch den Magen geht …).

Da sitzen wir nun an unserem Arbeitsplatz und sind in Herzensdingen endgültig verwirrt. Aber wenigstens haben wir noch unser Hirn beisammen. Und das registriert das Datum sowie den Hinweis im Kalender: Heute ist Weltherztag. Der will daran erinnern, wie wichtig es ist, dass wir uns mehr bewegen, weniger und gesünder essen, öfter auf unser Herz hören. Denn die Wissenschaft hat inzwischen bewiesen, was der Volksmund schon lange wusste: Kummer und Stress schlagen aufs Herz. Bringen es aus dem Takt, engen es ein, machen es krank.

Also fassen wir uns heute ein Herz, holen es aus der Hose oder wo auch immer es gerade weilt, gehen mal wieder joggen, knabbern brav unsere Rohkost, reden uns allen Kummer von der Seele – und geigen dem Chef endlich mal beherzt die Meinung … Bei dem Gedanken rutscht uns das Herz auch schon wieder in die Hose. Denn die hat am Ende immer noch der Chef an – und der kann ganz schön herzlos sein.

– Erschienen am 29. September 2015 in der Rubrik „Unterm Strich“ der „Badischen Zeitung“ http://mehr.bz/bofus15224

Online---pol1_29.09.2015

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