Meine Güte, Typen gibt’s!

Autorin: Ronja Vattes - @rovline
Auf ins Freibad - auch im Wasser sind nicht alle gleich. Fotos: Anselm Bußhoff

Auf ins Freibad – auch im Wasser sind nicht alle gleich. Bilder: Anselm Bußhoff

Zwischen Eis und Einser, baden und Bahnen ziehen: Ein Tag im Freibad ist etwas Wunderbares. Noch schöner wird er, wenn man faul auf der Wiese rumliegt und die anderen beobachtet. Eine – nicht ganz ernst gemeinte – Typisierung.

Der Gockel: Er ist der Minimalist unter den Freibadbesuchern. Meist tragen gut gebaute Typen wie er entweder verdammt wenig oder aber lässig flatternde weite Shorts, die jeden anderen dick machen würden, bei ihm aber nur den Waschbrettbauch betonen. Seine Haut: nahtlos gebräunt. Seine Muskeln: glänzend. Nicht nur, weil er so viel trainiert, sondern weil er sich mit nach Kokosnuss duftendem Bräunungs(!)öl mariniert hat. Hautkrebs? Kriegen nur andere.
Das Gute: Unwillkürlich ziehen bei ihrem Anblick auch andere Männer den Bauch ein – und denken mal wieder an Sport.

Die Häuslichen: Meist rückt Mann oder Frau dieser Kategorie gerne mit Familie oder Freunden im Rudel an. Und was man auch nur jemals im völlig unterversorgten mitteleuropäischen Freibad brauchen könnte, hat er oder sie selbstverständlich dabei: Decken und Sonnenschirm, Klappliege und Bücher, Duschgel, Fön, Lockenstab, Fußnagelknipser und Wechselklamotten. Sowie: eine prall gefüllte Kühltasche, deren Inhalt eine Fußballmannschaft jederzeit eine halbes Jahr ernähren könnte. Die Häuslichen belegen am liebsten lärmend die Wiese zwischen Schwimmbecken und Kiosk – sollte das Essen doch mal nicht reichen, ist der Weg nicht so weit.
Das Gute: Sie selbst haben etwas vergessen? Kein Problem, die Häuslichen helfen Ihnen gerne aus.

Die Sportlichen: des Bademeisters Lieblingskinder!

Die Sportlichen: des Bademeisters Lieblingskinder!

Die Sportlichen: Sie sind die Lieblinge des Bademeisters. Kommen ohne großes Aufhebens, nicken kurz und blockieren keine Umkleide, schließlich haben sie die Badesachen bereits unter Shirt und Shorts an. Ohne Umwege gehen sie an den Beckenrand, haben sich in weniger als einer Millisekunde ausgezogen, die Schwimmbrille auf die Augen geplöppt, geduscht und sind mit einem athletischen Sprung vom Startblock im Blau des Wassers abgetaucht. Von ihren gut gebauten Körpern sieht man die nächsten 45 Minuten leider nicht mehr viel, sind sie doch mit dem raschen Durchpflügen des Wassers beschäftigt. Haben sie ihr per Fitnesstracker am Handgelenk aufgezeichnetes Sportprogramm absolviert, verschwinden sie ebenso lautlos und zügig, wie sie gekommen sind.
Das Gute: Sie sorgen durch ihr zügiges Kraulen für Blubberwasser.

Die Bojen: Meist sind es ältere Damen und Herren, die sich gerne ausgiebig an der beinahen Schwerelosigkeit im Wasser erfreuen. Sie tragen einfarbige oder mitunter auch gummibeblumte Badekappen, haben Tiefgang im Wasser, während sie an der Oberfläche über dieses und jenes plaudern und sich über lange Zeit scheinbar keinen Millimeter fortbewegen.
Das Gute: Sie sind nicht aus der Ruhe zu bringen und ertragen das Gekreische und Gespritze junger Wasserratten meist klaglos.

Nichts für Wasserfühlige: Abtauchen bei Regenwetter

Nichts für Wasserfühlige: Abtauchen bei Regenwetter

Die Wasserfühlige: Nein, sie ist nicht wirklich wasserscheu – es ist nur nicht so leicht, es ihr recht zu machen. Minutenlang steht sie im Bikini am Becken, um die Lage zu sondieren. Nee, hier ist zu viel los. Da drüben ist es zu laut. Und überhaupt: Ist das Wasser heute nicht irgendwie 0,175 Grad kälter als gestern? Lange blockiert sie die Einstiegstreppe, wagt sich irgendwann zaudernd und nur mit den Füßen ins kühle Nass vor – um dann doch wieder kehrt zu machen.
Das Gute: So haben ganz normale Freibadbesucher viel Platz für einen wunderbaren Tag im Wasser – während die Wasserfühlige weiter Leute guckt.

Mehr zum Thema Freibad: „Die sind ja bekloppt“ (http://wp.me/p388fz-oQ), „Der Geruch jenes Sommers“ (http://wp.me/p388fz-qe) und „Familienbad mit Charme“ (http://wp.me/p388fz-7F)

– Erschienen am 18. Mai 2015 in der Freizeit-Beilage der „Badischen Zeitung“ http://bit.ly/rovfb180515typen

Und was ist er?

Und was ist er?

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