Den Wolken hinterher

Bei Friedrichshafen am Bodensee - Bild: Ronja Vattes

Bei Friedrichshafen am Bodensee – Bild: Ronja Vattes

Der Wind fegt uns um die Ohren, zerrt an unseren Haaren. Feiner Regen peitscht uns ins Gesicht. Die Luft riecht nach Schnee – und das Anfang April. Die Augen zugekniffen stehen wir frierend am Ufer. Vor uns der See: wellentanzend in Geheimniskrämergrün, abweisend stahlgrau, mit wutschnaubendem Schaumkronenweiß. Die tiefgrauen Wolken am Himmel liefern sich eine Verfolgungsjagd, geben am Horizont immer mal wieder den Blick frei auf schneebedeckte Gipfel. Keine Menschenseele hat sich außer uns hierher verirrt. Für einen kurzen Moment fühlt sich das ein bisschen an wie Kanada. Wie Wildnis. Und Weite. Wenn wir den Kopf drehen, verfliegt der Zauber. Dann stehen wir einfach nur am Ufer des stürmischen Bodensees. Am Ufer bei Friedrichshafen, die Zivilisation und der übliche Touri-Nepp und -Nippes nur einen Steinwurf entfernt. Schnell wenden wir unseren Blick wieder zurück in Richtung See. Vergessen, was hinter uns liegt. Atmen die Seeluft tief ein. Bücken uns und lassen ein paar Steine auf dem Wasser springen. In Gedanken hüpfen wir hinterher. Bis nach Kanada. Ronja Vattes

– Erschienen am 10. April 2015 unter der Rubrik „Fluchtpunkt“ des „Reise & Freizeit“-Magazins der „Badischen Zeitung“ http://bit.ly/rovrf10042014fpbodse

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