Sandeln, kuddeln, staunen, kichern

Da baggert nicht nur Bodo am Baggerloch:  Die Baggergrube im Ravensburger Spieleland. Fotos: Anselm Bußhoff

Da baggert nicht nur Bodo am Baggerloch: Die Baggergrube im Ravensburger Spieleland. Fotos: Anselm Bußhoff

Der Albtraum hat einen Namen: Spaghetti mit Tomatensauce. Während die Eltern versuchen, zu retten, was noch zu retten ist, sitzen die beiden Jungs, Paul (3) und Peer (ein Jahr), quietschvergnügt zur Mittagszeit auf Bierbänken, matschen hingebungsvoll in ihren Tellern, kratzen sich mit rotverschmierten Händen am Kopf und stören sich nicht an den Nudelresten, die dabei in den Haaren hängen bleiben.

Für sie ist es ein rundum gelungener Tag im Ravensburger Spieleland, an dem sie stundenlang gesandelt, im Wasser gekuddelt, gestaunt und gekichert haben. Während die Eltern schon etwas ermattet wirken, sind die beiden Kinder gestärkt für den zweiten Teil des Tages, ihre verkleckerten T-Shirts signalisieren Abenteuerlust. Schließlich haben sie einiges noch nicht gesehen: den Streichelzoo, Käpt’n Blaubärs Gummikutter, das Feuerwehrspiel, das verrückte Labyrinth und überhaupt, die Liste ist noch lang. Dabei hatten sich bereits morgens um 10 Uhr, direkt hinter dem Eingang zum Ravensburger Spieleland, die Anfänger von den Profis unterschieden.

Auf der Nilpferdwasserbahn geht's rund.

Auf der Nilpferdwasserbahn geht’s rund.

Während Anfänger wie wir noch den Lageplan aller Spielbereiche und Attraktionen studierten, stürmten erfahrene Spieleland-Besucher ohne Umwege zur Verleihstation, um für fünf Euro einen Bollerwagen zu ergattern. In den stapelten sie alles, was man so brauchen kann für einen langen Tag im Erlebnispark: Kaffee, Kuchen, Würstchen, Cola, Sonnenmilch und -hüte, Picknickdecken, Windeln, Fotoapparat und Videokamera – und Wechselklamotten für die Kinder.

Die hätten wir nicht nur wegen des farbenfrohen Familienmenüs zur Mittagszeit benötigt. Das Ravensburger Spieleland setzt – anders als viele Vergnügungsparks – darauf, dass die Kinder auch selbst spielen – und nicht nur bespielt werden. Und so kommt die Freizeitanlage insgesamt mit deutlich weniger Pling-pling, Klingeling und musikalischer Dauerbeschallung daher. Der Park erinnert auch an einen solchen, mit breiten Schotterwegen, viel offenen Grünflächen, Flüsschen und Bäumen.

Für die Kleinen gibt es ruhige Ecken wie den Spielbach und einen riesigen Sandkasten, in dem nicht nur unzählige Förmchen, Schaufeln, Eimer, Siebe bereitstehen, sondern auch große Bagger und kleine Laster, mit Anhänger und Aufsatz und allem, was man(n) zu einem gelungenen Sandelspiel so braucht.

Während die Eltern längst reif fürs Fix-und-Foxiland sind, drehen die Kleinen ihre Treckerrunden.

Während die Eltern längst reif fürs Fix-und-Foxiland sind, drehen die Kleinen ihre Treckerrunden.

Mit den Fahrgeschäften kann sich der dreijährige Paul nicht so recht anfreunden, die sind ihm „irgendwie aufregend“ und eher was für die größeren Kinder. Also schaut er sich lieber die im Kreis sausenden „Nilpferde in der Wasserbahn“, das „Alpin-Rafting“, den „Fix-und-Foxi-Raketenblitz“ und den „Galaxy-Racer“ von Ferne an.

Erst Baggerführer, dann eine Runde mit dem Traktor

Selbst das sehr gemütliche „Quietschenten-Rennen“, das seinen kleinen Bruder begeistert juchzen lässt, ist ihm suspekt. Dabei könnte er auch Pony reiten, in Käpt’n Blaubär’s Wunderland auf Paddeltour gehen, Riesenpuzzle spielen oder mit der Schwäbischen Eisenbahn den Park durchqueren, aber richtig begeistert ist er an anderer Stelle: In einer riesigen Sandgrube stehen echte Baustellen-Bagger mit orangefarbenem Blinklicht, da darf er sich mit Papa ganz groß fühlen.

Käpt'n Iglo braucht'n Bounty.

Käpt’n Iglo braucht’n Bounty.

Überhaupt erwacht er jetzt langsam aus seinem Nachmittags-nicht-geschlafen-Loch: Nach dem Baggern fährt er eine Runde mit einem echten Traktor durch eine Mini-Landschaft mit kleinen Äckern, Feldern und Obstbäumen. „Nochmal“ tönt es am Ende der Fahrt und „nochmal“ am Ende zweiten. Drei Runden, dann treten die Eltern in Treckerstreik. Sie sind mittlerweile von der sommerlichen Hitze platt und fühlen sich eher reif fürs Fix-und-Foxi-Land. Doch erst muss der Große noch aufs Karussell, um dort auf einem Schaf seine Runden zu drehen. Der Kleine sieht’s und reckt die Ärmchen, ruft erst leis’ dann immer lauter: „Mäh! Mäh!“. Doch der Große bleibt, wo er sitzt, ganz stur – und aus dem „Mäh“ des Kleinen wird bald ein „Bäääääh“ mit Weinen.

Gut gelaunt sind beide wieder, als sie im Streichelzoo einem echten Schaf begegnen und Ziegen bis zum Meckern kraulen. Die Hitze macht denn auch den Kleinen zu schaffen und die Päuschen an Brunnen, Bächen, Pfützen häufen sich. Zu schön das Wetter für 3-D-Kino und Hein Blöd’s Dummfisch-Bude, den Heustadel und das Melk-Spiel. Ein Tag ist irgendwie doch zu kurz: Gegen 16 Uhr, noch bevor das Spieleland schließt, fallen dem Dreijährigen auf dem bäuerlichen Fahrzeug-Parcours beim „Muss-noch-die-Kühe-auf-den-Anhänger-Laden“ die Augen zu. Und so verlassen wir den Park um eine Bauernregel reicher: Werden des Bauern Lider schwer, verlass’ den Park, er kann nicht mehr! Ronja Vattes

RAVENSBURGER SPIELELAND
Zielgruppe: Kinder bis zwölf Jahre, Geburtstagskinder dürfen einen Tag lang kostenlos in den Park innerhalb von sechs Tagen nach dem Geburtstag.
Öffnungszeiten und Infos: April bis Oktober, zwischen 10 und 17 bzw. 18 Uhr, genaue Infos unter http://www.spieleland.de
Übernachtungen: Tourist Information Ravensburg, 0751/82-324, tourist-info@ravensburg.de oder http://www.ravensburg.de. Kinder bis 18 Jahre übernachten in acht Ravensburger Hotels kostenlos. Günstige Übernachtungsmöglichkeiten bieten zudem Jugendherbergen am Bodensee.
Weitere Tipps: Anregungen für einen Familienurlaub in und um Ravensburg, die Stadt der Tore und Türme, bietet die Kinderschatzkarte. Zum Beispiel mit Kinderstadtführungen, Besuch des Papiermuseums oder des Ravensburger Verlagsmuseums.

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