Gut gerodelt, fast gejodelt

Hier geht's lang - zum Rodelspaß auf dem Gipfel des Schwarzwalds!

Hier geht’s lang – zum Rodelspaß auf ndem Gipfel des Schwarzwalds!

Keine Ahnung, wie lange das her ist. Zehn Jahre mindestens, aber nein, wohl eher mehr als zwanzig. Auf einem Rodel den Hang runterzubrettern. Nicht nur ein sanftes Hügelchen, damit die eigenen Kinder ein wenig Huch! und Hihi! erleben. Sondern richtig rodeln – mit Karacho und Adrenalin.

Ausgerüstet mit Brille, Skihose, Gamaschen, Mütze und Handschuhen sitze ich auf einem feuerroten Plastikschlitten, die Füße noch fest in den Schnee gerammt und besinne mich der Lage. Der Hang ist steil. Kein sanft federnder Pulverschnee, sondern stramm planierter Belag, der auf Tempo ausgelegt ist.

Alle, die wir uns von dort oben den Hang hinunterstürzen wollen, sind keine 13 Jahre mehr. Eher so Mittelalter. Ein Teppich hat uns auf diesen Berg in Feldberg-Altglashütten gezaubert. Manche sprechen etwas unpoetisch von einem Förderband. Egal, das ist nicht der rechte Zeitpunkt für sprachliche Feinheiten. Hier geht es gleich ans Eingemachte.

Ein letzter Blick auf die verschneiten Berge, auf den kleinen Ort, der sich mit seiner Kirche in eine Kuhle kuschelt, tief durchatmen und: los! Der Schlitten nimmt sekundenschnell an Fahrt auf, die Hände krallen sich am Plastik fest, die Bauchmuskeln mühen sich, die langen, schweren Beine vom Boden fernzuhalten.

Die kalte Luft sticht in die Wangen, unter dem Hintern holpert der Schlitten, jeder Buckel schlägt durch, es wackelt, rüttelt, hopst und eiert. Während der Kopf noch abwägt – bremsen oder nicht? – haben die Füße bereits entschieden: Breeemmmmssseeennn! Die Fersen stemmen sich viel zu abrupt in den planierten Schnee, Brocken schleudern hoch, Eiskristalle vernebeln schlagartig die Sicht – und mit einem satten Rumms! schmettert es mich reichlich unelegant in den Schnee.

Knochen sortieren – und weiter geht’s

Hatte der Rodeltypen-Test also doch Recht gehabt! Weder zum Gaudi-Rodeln noch zum Horden-Rodeln tauge ich, stattdessen gehöre ich angeblich zu den Wander-Rodlern. Das zumindest hatte die Online-Befragung auf der Internetseite der Hochschwarzwald Tourismus ergeben. Und in der Tat hatte mir die lange und recht sanft ausfallende Tour am Morgen mit viel Zeit für Ausblicke und Naturgenuss auf dem Todtnauer Hüttenweg zugesagt. Mehr jedenfalls, als mich hier an diesem Hang in Altglashütten ächzend aus dem Schnee zu puhlen, meine Knochen zu sortieren und mir den Schnee aus den Ohren zu schütteln.

Bequem: mit dem Zauberteppich auf den Berg

Bequem: mit dem Zauberteppich auf den Berg

Was waren wir doch früher als Kind beweglich und ausdauernd gewesen: Berg hochstapfen, Berg runterbrettern, dutzende Male, unermüdlich, Bahn frei – Kartoffelbrei! Der Spaß höchstens kurz unterbrochen von eilig vertilgten belegten Broten oder einer hastig getrunkenen Tasse warmen Kakaos. Die Finger eiskalt, die Füße nass, egal. Das Einzige, was nervte, waren die Anstiege. Viel zu lang im Vergleich zum doch recht kurzen Vergnügen einer jeden Abfahrt.

Zumindest das ist heute besser als früher: Kein lästiges sich den Berg hochschuften, sondern bequem samt Schlitten auf den Zauberteppich stehen und einfach hinaufgleiten. An vier Hängen ist das inzwischen im Hochschwarzwald möglich und erleichtert Gaudi-Rodlern wie auch Familien den Spaß.

„Rodeln ist eine emotionale Geschichte – rodeln kann jeder, es macht Spaß und es weckt Kindheitserinnerungen“, hatte Volker Haselbacher, stellvertretender Geschäftsführer bei Schwarzwald Tourismus, vor unserer Tour noch gesagt. So sei das Konzept zum Hochschwarzwälder Rodelspaß entstanden. Statt nur das Augenmerk auf Lifte, Loipen und Winterwandern zu legen, sollte ein Angebot für alle geschaffen werden.

Ergebnis ist ein Rodelführer mit 34 Rodelpisten, der übersichtlich auflistet, welcher Hang für welchen Rodeltyp geeignet ist, wie die Anfahrt per Bus und Bahn gelingt und an welchen Hängen man sich das Geschleppe mit eigenen Schlitten sparen und stattdessen einen Rodel leihen kann.

Der Hang in Feldberg-Altglashütten läuft unter dem Stichwort Familienhang, Kategorie „leicht“. Der Knirps, der soeben lässig und quietschend vor Vergnügen an mir vorbeibrettert, scheint das genau so zu sehen. Und ich fall’ einfach vom Schlitten? Pah!

Nächtliches Rodeln im Flutlicht:  am Geißenhof in Feldberg-Altglashütten - Fotos: Ronja Vattes

Nächtliches Rodeln im Flutlicht: am Geißenhof in Feldberg-Altglashütten – Fotos: Ronja Vattes

Mein Ehrgeiz ist geweckt. Flugs trabe ich ein weiteres Mal zum Förderband, Tageskarte vors Gerät halten, Piep! und wenige Momente später bin ich wieder oben. Aufsitzen, losdüsen, runterbrettern, Schnee fressen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Inzwischen ist es Abend geworden. Die Nacht legt sich über das Weiß. Die Flutlichtstrahler tupfen bunte Lichtkegel auf den Hang. Ein paar weitere Abfahrten, mal langsam und sturzfrei, dann wieder schnell samt Absteigen – und ich spüre, wie sich der Körper erinnert. Nach hinten lehnen, ausbalancieren, Beine hoch, Tempo aufnehmen: Juhuuuuuuu! Bahn frei – Kartoffelbrei!

Vielleicht tauge ich ja doch nicht nur zum Wanderrodeln. Ronja Vattes

RODELPISTEN IM SCHWARZWALD
Die 34 von der Hochschwarzwald Tourismus GmbH ausgewiesenen Rodelhänge sind in normale und sogenannte Premiumhänge unterteilt. Dort können Besucher Rodel gegen eine Gebühr von fünf Euro ausleihen (Rodel-to-Go). Meist gibt es auch eine Einkehrmöglichkeit.
Rodelhänge mit Förderband: in Feldberg-Altglashütten, am Buck in Todtnauberg, in Schluchsee, am Notschrei sowie eine Sesselbahn am Hasenhorn. Preise: z. B. 50 Fahrten Erwachsene 27 Euro, Kinder 19 bis 23 Euro; Punktekarte zwei Jahre gültig.
Rodeltypen-Test: Wander-Rodler, Gaudi-Rodler, Horden-Rodler oder eher Hütten-Hocker? Einen Test samt passender Hänge gibt’s im Internet unter http://mehr.bz/rodeltypen
Kontakt und alle Infos: http://www.hochschwarzwald.de/Rodeln – Hochschwarzwald Tourismus GmbH, 07652/1206-0

– Erschienen am 13. März 2015 im „Reise & Freizeit“-Magazin der „Badischen Zeitung“ http://bit.ly/rovrf1303rodel

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