Hallo Horrorween!

Fast noch Mensch - nur die Linsen irritieren.

Fast noch Mensch – nur die Linsen irritieren.

Dann wird aus dem Mensch ...

Dann wird aus dem Mensch …

Die Mütter, Kinder und Großeltern, die im Sonnenschein lachend durch den Park schlendern, ahnen nichts von den Bluttaten, die sich zur selben Zeit nur wenige Schritte von ihnen entfernt abspielen. Während sie sich an Tausenden Kürbissen erfreuen, über Fledermäuse, Hexen und Gummiskelette staunen, sind die Wände des schmucklosen Containerbaus mit Blutspritzern bedeckt, haben sich am Boden Blutlachen gebildet. Doch kein Blaulicht zuckt, keine Sirene heult, kein Sondereinsatzkommando ist vor Ort, um den Täter zu fassen. Stattdessen lehnen Menschen mit zertrümmerten Gesichtern, blutigen Augen und tiefen Fleischwunden lässig im Türrahmen und beschwatzen den vergangenen Tag. Sie sind Statisten im finsteren Teil des Vergnügens: den Horror Nights des Europa-Parks in Rust.

... Schritt für Schritt ...

… Schritt für Schritt …

Und während draußen die normalen Parkbesucher die Halloween-Parade beobachten, in kindgerechten Gruselshows sitzen oder mit dem Pumpkin Coaster fahren, warten hinter den Kulissen rund 200 Statisten darauf, von Make-up Artist Bill McCoy und seinem Team in Zombies, Monster und andere Gruselgestalten verwandelt zu werden.

Es ist 17 Uhr, in den Containern herrscht Hochbetrieb. Lange Schlangen haben sich gebildet. Endlich ist Daniel Feith (31) an der Reihe. In seinem blutverspritzten weißen Labordress steigt er auf den Barhocker, dann geht alles erstaunlich schnell: Bill McCoy schmiert ihm mit flinken Handbewegungen braune Gesichtsmaske über Haare, Ohren und Gesicht, packt stellenweise Watte drauf und trägt mit einem Wattestäbchen Flüssiglatex auf. Schon ist die Vorstufe fertig. Der Amerikaner zückt die Farbpistole und sprüht gekonnt mit dem Airbrush verschiedene Farbtöne auf: helles Rot, dunkles Rot, Schwarz, Braun. So entsteht der Eindruck einer fiesen Fleischwunde in einem halb aufgequollenen, halb zertrümmert wirkenden Gesicht.

... ein Zombie!

… ein Zombie!

In wenigen Minuten wird Daniel Feith, der Software-Entwickler aus dem Saarland, ein blutrünstiger Zombie. Nachdem auch seine Fingernägel und Hände leichengerecht geschwärzt wurden, geht Bill McCoy mit ihm in die Blutecke: Auf weißen Plastikplanen steht Daniel, die Augen geschlossen, während Bill ihm Filmblut aus einem Becher ins Gesicht und auf den Anzug spritzt.

Für die fünf Wochen lang dauernden Horror Nights werden im Europa-Park mehr als 25 Kilo Schminke, 65 Liter Filmblut, 35 Liter Latex sowie ein Kilo Kunsthaar verbraucht, damit der Alptraum perfekt wird. In fünf Horrorhäusern und drei Scarezones (Angstbereichen) werden mit Hilfe der geschminkten Statisten im nebeligen Licht der Dunkelheit, mit penetranten Gerüchen, markerschütternden Schreien und in beklemmender Enge Szenen produziert, die die Urängste der Menschen heraufbeschwören: Die Angst, von Würmern oder Riesenspinnen gefressen zu werden, in der Hölle zu landen oder von einem schwarzen Wesen mit gigantischen Krähenschwingen verfolgt zu werden. Weil das nichts für schwache Nerven ist, sind die Horrornächte erst ab 16 Jahren freigegeben. Wer älter ist, muss selbst entscheiden, ob das was für ihn ist.

Make-up-Artist Bill McCoy setzt letzte Korrekturen ...

Make-up-Artist setzt letzte Korrekturen …

Der Make-up Artist McCoy ist ein Meister seines Handwerks – bereits im jungen Alter von sieben Jahren begann er blutrünstige Szenen zu gestalten. „Als ich sechs war, hat meine Mutter versucht, mich zu töten – für mich ist das der Weg, Grausames darzustellen, ohne jemanden wehzutun“, erzählt er und zeigt auf seine Narben am Kopf, während er gutgelaunt den nächsten Statisten, eine junge Frau, in eine Horrorgestalt verwandelt. Mit 14 Jahren hatte er seinen ersten großen Auftrag. Seitdem er 22 Jahre ist, arbeitet er hauptberuflich in diesem Metier, hat für große Produktionen wie den Film „Zombieland“ gearbeitet. Seine Strategie der Angstbewältigung zumindest scheint zu funktionieren. Den Besuchern gelingt das nicht immer.

Bei aller Bedrohlichkeit, die von den apokalyptischen Alptraumszenen ausgeht, wird ihnen vielleicht helfen zu wissen: Sämtliche Zombies, Monster, Werwölfe und Teufel dürfen uns erschrecken und verfolgen – aber nicht berühren. Und das gilt auch umgekehrt: Anfassen verboten, daran müssen sich auch die Besucher halten. Aber ganz im Ernst: Wer will sich denn schon wirklich gerne die Finger blutig machen? Ronja Vattes

... dann kann die Horror-Nacht beginnen! Bilder: Anselm Bußhoff

… dann kann die Horror-Nacht beginnen! Bilder: Anselm Bußhoff

HALLOWEEN & HORROR NIGHTS IM EUROPA-PARK
Tages-Halloween: Shows wie „In the haunted Castle“ oder das Musical „Spook me“ sind im Parkeintritt (Erwachsene 41 Euro, Kinder 36 Euro) enthalten.
Halloween-Abendticket: (25.10. bis 2.11. ab 17 Uhr) Erwachsene: 18 Euro, Kinder 15 Euro. Weitere Infos: http://www.europapark.de
Horror Nights: ab 16 Jahren; Fr, Sa, So sowie täglich in den Herbstferien Einlass ab 19.30 Uhr, Beginn 20 Uhr; Preise je nach Tag 14 bis 25 Euro, inklusive der Show „Horror on Ice“. Tickets müssen online reserviert werden. Infos: http://www.horror-nights.de

– Erschienen am 17. Oktober 2014 im „Reise & Freizeit“-Magazin der „Badischen Zeitung“ http://bit.ly/rovrf171014horror

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