Wie viel Spaß passt in zwei Stunden?

Blitzbesuch im Freizeitpark: Die Euromaus strahlt, das Wetter nicht. Bilder: Ronja Vattes

Blitzbesuch im Freizeitpark: Die Euromaus strahlt, das Wetter nicht. Bilder: Ronja Vattes

Wie viel Spaß passt im Europa-Park in zwei Stunden? Wie viele Attraktionen schaffen wir zu fahren, wenn wir strikt nur solche wählen, an denen die Wartezeit nicht mehr als 15 Minuten beträgt? Üblicherweise verlieren wir bei Parkbesuchen als Familie die meiste Zeit damit, allen Wünschen gerecht zu werden, Parkpläne zu studieren, ewig rumzustehen, weil die einen was fahren wollen, die anderen aber nicht. Deshalb unser Plan: ein Speed-Dating. Keine Diskussionen, kein Streit, keine schlechte Laune, denn wir haben ja nicht ewig Zeit!

Der Versuchsaufbau
Ein Freitag in den Schulferien. Nicht benutzt werden dürfen: der Park-Plan sowie Attraktionen mit längeren Warteschlangen. Die Teilnehmer: zwei Jungs im Alter von acht und zehn Jahren sowie ein Erwachsener. Unbekannte Einflussfaktoren: das Wetter, die Laune, der Besucherandrang.

9.30 Uhr
Es nieselt. Der Startschuss fällt. Vom Eingang laufen wir los. Der erste leere Wartebereich nimmt uns jegliche Diskussionen ab: Ohne Anstehen steigen wir in die Panoramabahn. „Coole Idee!“ sagt der Achtjährige. „Oh Mann!“, entfährt es dem Zehnjährigen.

Wenige Minuten später („Geht das nicht schneller?“) steigen wir in Spanien aus und landen in Kolumbus’ Jolle. Würden wir sonst nie fahren, doch die Piratenboot-Flitzer nutzen außer uns gerade mal zehn weitere Leute. Mit Drehwurm und Kicherkrampf wanken wir um 9.41 Uhr wieder raus, taumeln planlos zur nächsten Bahn und sitzen schon um 9.43 Uhr im Alpenexpress, sausen durch Österreich.

Und nun? Schweizer Bobbahn? Rund 20 Minuten Wartezeit sind angeschrieben. Kurz sind wir versucht, von unserem Plan abzuweichen. Schließlich ist sie eine unserer Lieblingsbahnen. Üblicherweise wäre der Streit jetzt programmiert. So aber nehmen wir das Nicht-Mitfahren ziemlich gelassen hin. Nach ein paar weiteren vergeblichen Versuchen an verschiedenen Fahrgeschäften, wird klar: Wir müssen hier weg!

Im Dauerlauf rennen wir zurück nach Spanien, rein in die Panoramabahn und tingeln weiter bis Russland. Mist! Die einzige Bahn mit wenig Wartezeit ist die Silverstone-Piste. Hilft nix, da müssen wir jetzt durch! Die Rennautos ruckeln stinkend im Schneckentempo über die Piste. Echtes Vergnügen sieht anders aus.

10.18 Uhr
Es regnet. Und zwar richtig. Wir brauchen ein Dach über dem Kopf, um unseren weiteren Plan zu überdenken, und zwar schnell. „Lasst uns doch den Fernsehturm machen!“, sagt der Achtjährige. Wir nutzen die Fahrt hoch auf den Aussichtsturm Euro Tower, um die Lage von oben zu sichten: Wo ist Andrang, wo nicht? Ein Blick genügt: Die coolen Sachen scheiden alle aus. Das wird heut nix mit Poseidon, Wodan oder dem neuen Themenbereich „Arthur im Königreich der Minimoys“. Und für Fjord-Rafting & Co. ist es uns zu nass-kalt.

Endlich! Bei „Vola da Vinci“ sieht es gut aus: Nur fünf Minuten Wartezeit sind angeschrieben. Beim Anstehen wird schnell klar: Das dauert viel länger! Ganz vorne, am Einstieg, ruft das Personal immer wieder Restplätze auf. Niemand will. Flugs teilen wir uns auf, dürfen die restliche Schlange überspringen.

Inzwischen ist es schon 10.39 Uhr, der Ehrgeiz hat uns endgültig gepackt. Wir haken mit wachsender Begeisterung Absurditäten ab: reisen ins Elfenreich, quetschen uns in die Mini-Loks der Circus-Parade, dümpeln in der Marionetten-Bootsfahrt vor uns hin und tuckern mit den Oldtimern.

Stopp: Nach zwei Stunden ist alles vorbei.

Stopp: Nach zwei Stunden ist alles vorbei.

Um 11.07 Uhr sind wir wieder in England, noch 33 Minuten bis zum Ende unseres Experiments. Wir haken rennend noch London Bus, Crazy Taxi und die Dschungel-Floßfahrt ab sowie eine kurze Tour mit der Monorail-Schwebebahn. Um 11.29 Uhr sind wir fertig.

Was hat’s gebracht?
15 Fahrgeschäfte (mehr als wir sonst an einem ganzen Tag schaffen!), zwei begeisterte Kinder und eine erschöpfte aber zufriedene Begleitperson. Unser Fazit: Ein sportlicher Ansatz, auch um die günstigeren Abendtarife des Europa-Parks im Winter zu nutzen. Aus Elternsicht besonders toll: Keine Diskussionen, kein Streit, keine schlechte Laune – denn wir hatten ja nicht ewig Zeit! Ronja Vattes

Weitere Infos: http://www.europa-park.de

– Erschienen am 29. September 2014 in der Freizeit-Beilage der „Badischen Zeitung“ http://bit.ly/rovfb290914eurospeed

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