Modern ins Mittelalter

Letzte Instruktionen vor dem historischen Rathaus in Lahr - dann geht's auf zur GPS-Tour. Bilder: Anselm Bußhoff

Letzte Instruktionen vor dem historischen Rathaus in Lahr – dann geht’s auf zur GPS-Tour. Bilder: Anselm Bußhoff

„Achtung! Die Straßenlaterne! Pass auf!“ Die Tochter zuckt zusammen und kann gerade noch dem Laternenpfahl ausweichen. Das war knapp. Den Kopf gesenkt geht sie zusammen mit ihren beiden Brüdern weiter. Die drei blicken derart konzentriert auf die gelben Geräte in ihren Händen, dass wir Eltern sie immer wieder an den Straßenverkehr, entgegenkommende Fußgänger und im Weg rumstehende Straßenlaternen erinnern müssen. Schließlich haben die Kinder Wichtigeres zu tun: Sie wollen die rätselhaften Fragen rund ums Mittelalter lösen – und den Schatz ergattern.

Dazu haben wir in Lahr beim Kultur- und Tourismusbüro im Alten Rathaus drei GPS-Geräte sowie ein sogenanntes Roadbook ausgeliehen. Nachdem Linda Stengg die Bedienung der Geräte und den Ablauf dieser modernen Form der Schnitzeljagd erklärt hatte, ging es auf Tour durch die Lahrer Altstadt.

Was steht in Sütterlinschrift an einem Gebäude in der Innenstadt? Welche Schule brannte einst mehrere Tage lang, und in welchem Jahr ereignete sich das Unglück? Von Wegpunkt zu Wegpunkt laufen wir, an jeder der zehn Station gilt es Fragen zu beantworten, Symbole zu finden, Rätsel zu lösen. An jeder Station, die wir erfolgreich gemeistert haben, tippen wir die neuen Koordinaten in unser GPS-Gerät, damit es uns via Kompass den Weg zum nächsten Punkt anzeigt.

Trotz Roadbook und GPS-Gerät ist's nicht immer ganz einfach, den richtigen Weg zu finden.

Trotz Roadbook und GPS-Gerät ist’s nicht immer ganz einfach, den richtigen Weg zu finden.

In der Innenstadt ist das kniffliger als gedacht. Die Häuser irritieren ab und an den Empfang. Außerdem zeigt der Kompass ja nur die Richtung an, nicht aber den genauen Weg. Darauf hatte uns bereits Linda Stengg bei der Einführung hingewiesen: „Und wenn das Gerät direkt auf ein Gebäude zeigt, muss man eben drum herum laufen.“

Das tun wir. Und das Gerät gibt an, wie weit wir noch vom Ziel entfernt sind. „Jetzt sind es nur noch 78 Meter!“, schallt es durch die Straßen. „Noch 54 Meter! Gleich sind wir da!“ – Doch: Pech gehabt, plötzlich steigen die Meterangaben wieder. „Hä? Was soll denn das?“ – „Ihr habt euch wieder vom Ziel entfernt“, erklären wir.

An jedem erreichten Wegpunkt lesen wir im Roadbook kleine Geschichten, wie es im Mittelalter in Lahr zuging. Grusligere Episoden, wie sie sich einst rund ums Henkerhiisli abspielten, wurden aber ausgespart. Schließlich richtet sich die GPS-Tour an Kinder. Und so werden auch die historischen Anekdoten aus der Perspektive zweier Kinder erzählt: Immer wieder kommen Adelheid und Heinz im Roadbook zu Wort und geben Tipps, welches Ziel gemeint ist. Das hilft auch uns weiter, wenn das GPS-Gerät uns im Unklaren lässt. Notfalls dürften wir auch im Kultur- und Tourismusbüro anrufen. Brauchen wir aber nicht. Nach knapp zwei Stunden Schnitzeljagd sind alle Rätsel gelöst – und die Kinder halten ihr GPS-Diplom in Händen.
Ronja Vattes

GPS-Tour durch Lahr
Gegen eine Leihgebühr von 5 Euro (Kaution: 50 Euro) können die GPS-Geräte im Kultur- und Tourismusbüro im Alten Rathaus, Kaiserstraße 1, in Lahr geliehen werden.
Öffnungszeiten: Di bis Fr 10-16.30 Uhr und Sa 10-13 Uhr.
Reservierungen: unter 07821/9502-10 oder kultour@lahr.de

– Erschienen am 29. September 2014 in der Freizeit-Beilage der „Badischen Zeitung“ http://bit.ly/rovfb290914gpslahr

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