Es braucht keine Korinthe als Tipfli aufs i

Hcoh droben unterm Dach hat die Stadt die Kernzeitkinder untergebracht. Bild: Anselm Bußhoff

Hoch droben unterm Dach hat die Stadt die Kernzeitkinder untergebracht. Bilder: Anselm Bußhoff

Weil sich ein Stadtsheriff nach Ausstellen eines Knöllchens mit dem Vorwurf konfrontiert sah, er übe seinen Job besonders kleinlich aus, schaffte es Emmendingen unlängst bundesweit in die Schlagzeilen. Ein Amtsrichter hatte dafür gesorgt. Nach seinem Urteil konnte im Prozess nicht überzeugend dargelegt werden, dass der Ordnungshüter als Korinthenkacker bezeichnet worden war. Vielmehr blieb die Möglichkeit offen, in dem Wortgefecht sei – wie vom beschuldigten Autofahrer ausgesagt – lediglich das Wort Korinthenkackerei gefallen.

Sehr zum Missfallen der Stadtverwaltung. Diese bleibt nicht nur bei der Darstellung, der Mitarbeiter sei als Korinthenkacker bezeichnet worden. Sie verstieg sich zudem in die Auffassung, mit der Einstellung des Verfahrens werde der Eindruck erweckt, ehrverletzende Äußerungen gegenüber Mitarbeitern des Gemeindevollzugsdienstes seien zulässig und würden nicht sanktioniert. Offenbar um diesen entgegenzuwirken, wurden die Stadtsheriffs angewiesen, nur noch ihrem normalen Streifendienst nachzugehen und sich ansonsten den Anliegen der Bürger zu verschließen.

Nun darf eine Verwaltung durchaus beklagen, dass gegenüber ihren Ordnungskräften mitunter ein recht rauer und inakzeptabler Ton angeschlagen wird. Und es ist ihr unbenommen, sich nicht nur an die Seite ihrer Mitarbeiter, sondern schützend vor sie zu stellen. Doch wenn der Gemeindevollzugsdienst jetzt nur noch auf Knöllchentour geschickt wird, kommt dies rüber als kleinmütige Reaktion auf einen Richter, der nicht vom Fehlen eines “ei” überzeugt werden konnte. Zwei Buchstaben machen den Unterschied zwischen beleidigt werden und beleidigt sein.

Menschlein, die gehst einen schweren Gang: Treppenhaus hinauf zur Kernzeitbetreuung.

Menschlein, du gehst einen schweren Gang: Treppenhaus hinauf zur Kernzeitbetreuung.

Stirnrunzeln verursachen aber auch Anweisungen im Umfeld der Emmendinger Verwaltung. So wurde das Personal der Kernzeitbetreuung einer Grundschule nach eigenem Bekunden angewiesen, dafür zu sorgen, dass ihre Schützlinge in Ferienzeiten spätestens um 8.45 Uhr vor Ort sind. Später Eintreffenden, so berichten es übereinstimmend einige Kinder, solle der Zutritt verweigert werden. Der Sinn dieser Anordnung mag sich nicht ganz erschließen. Handelt es sich bei der Kernzeitbetreuung doch um eine Einrichtung, in der die Kinder eher konzeptlos ihrem Schicksal überlassen bleiben.

Wenig nachvollziehbar ist daher, wenn ein knapp vor 8.46 Uhr eintreffendes Mädchen mit dem Hinweis begrüßt wird, es käme eine Minute zu spät. Dabei war das arme Kind durchaus vor der Zeit eingetroffen, hatte aber Mühe mit dem Verschließen seines Rollers. Weitere Zeit verlor es auf den Weg die Stufen hinauf in den vierten Stock des alten Schulgebäudes. Dorthin wurde die Kernzeitbetreuung zum 1. September verbannt.

“Seltsam”, entfährt es uns kopfschüttelnd. Und natürlich denken wir umgehend an jenes Wort, das sich etwas symbadischer mit Tipflischisser umschreiben ließe. Über die Lippen kommt es uns nicht. Dennoch scheint die Betreuungskraft selbst etwas erschrocken. Hat sie gemerkt, dass Emmendingen mit solch‘ Korinthen (s)einen Ruf verfestigen könnte? Anselm Bußhoff

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