Gebürtiger Emmendinger an der Redaktionsspitze

Thomas Hauser - Bild: Anselm Bußhoff

Thomas Hauser – Bild: Anselm Bußhoff

Als die „Badische Zeitung“ 2006 zur Wahl des bedeutensten Emmendingers aufrief, war Widerspruch zwecklos: Wer es als Sohn der Stadt auf einen Job mit überregionalem Ansehen geschafft hat, konnte sich der Vorstellung nicht entziehen. Dies galt auch für einen Mann aus dem eigenen Haus: Thomas Hauser, 1954 in Emmendingen geboren, war damals Chefredakteur der „Badischen Zeitung“.

Als fünftes von elf Kindern verbrachte Hauser in Emmendingen seine Kindheit, Jugend- und Schulzeit, bevor es ihn letztlich nach Freiburg verschlug. Im Gepäck eine Portion Ehrgeiz, die er aus dem Elternhaus mitbekam. Noch heute bescheinigt sich ein Teil der Geschwister gern gegenseitig, in diesem Punkt „ganz der Vater“ zu sein. Rudolf Hauser, 35 Jahre Direktor im Vorstand der Emmendinger Volksbank und langjähriger Stadtrat, brachten fehlender Antrieb und mangelnde Zielstrebigkeit schon mal in Rage. „Jung, dynamisch, aber erfolglos“, lautete sein Urteil, wenn großen Worten keine entsprechende Taten und Ergebnisse folgten.

Dass Sohn Thomas solche Defizite fremd sind, fiel während des Volontariates bei der „Badischen Zeitung“ durchaus auf. Und da ein Bankersohn wohl etwas von Finanzen und Bilanzen verstehen muss, landete der studierte Erziehungswissenschaftler in der Wirtschaftsredaktion. Auch hier ging Thomas Hauser mit Elan zu Werke. 1986 brachte ihm dies den renommierten Theodor-Wolff-Preis ein. Nebenher engagierte er sich im Deutschen Journalistenverband (DJV) und war von 1983 bis 1985 Vorsitzender des Landesverbandes Baden. 1995 wurde der Vater zweier Kinder Leiter der Heimatredaktion, ein Jahr später zudem stellvertretender Chefredakteur und 2001 zum Chefredakteur der „Badischen Zeitung“ berufen. Seit Oktober 2016 ist er deren Herausgeber.

Spricht Hauser über das Emmendingen von heute, erhält sein Tonfall unweigerlich jene spöttelnde Färbung, die wohl allen Freiburgern angeboren, aber selbst Hinzugezogenen recht bald zu eigen ist. Doch bei Hauser schwingt immer ein Hauch Liebenswürdigkeit mit. Bei der Erinnerung an seine Emmendinger Zeit werden die „Lederwerke Rehm“ schon mal zur „Grether’schen Fabrik“ und auch die Vornamen mancher Zeitgenossen purzeln munter durcheinander. Sein Emmendingen ist für ihn Geschichte. Stätten der Kindheit sind aus dem Stadtbild verschwunden, der Charakter der Stadt hat sich verändert. Emmendingen ist ihm ein wenig fremd geworden.

Ganz abgeschlossen scheint das Kapitel dennoch nicht. Als in seiner Zeit als Chefredakteur eine Delegation des Emmendinger Gemeinderats das Freiburger Pressehaus besuchte, führte Hauser sie, entgegen üblicher Gewohnheiten, ins „Allerheiligste“ der Redaktion – den Newsroom. Vom Stuhl des Nachrichtenchefs aus erläuterte er persönlich den Redaktionsalltag. Obwohl noch gerne in der Stadt unterwegs, zieht es ihn außerhalb familiärer Besuche eher selten hierher.

Doch als Schulfreund Hans-Jörg Jenne, heute Kulturamtsleiter der Stadt Emmendingen, vor Jahren den ersten Teil der Emmendinger Stadtgeschichte vorstellte, war Thomas Hauser selbstverständlich dabei. Den Weg nach Freiburg schaffte das ihm überreichte Exemplar allerdings nicht. Beim Kurzbesuch im Elternhaus behielt seine inzwischen verstorbene Mutter Anneliese die Chronik kurzerhand ein.
Anselm Bußhoff

THOMAS HAUSER
Geboren: 3. Juli 1954 in Emmendingen
Verbrachte seine Kindheit und Jugend in Emmendingen und war von 2001 bis Ende September 2016 Chefredakteur der Badischen Zeitung. Zum 1. Oktober 2016 wurde er zu deren Herausgeber ernannt.

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