Ein Schläger, ein Ball, ein Loch – platsch!

Fotos: Anselm Bußhoff

Bilder: Anselm Bußhoff

Oh Mann! Das kann doch nicht so schwer sein! Der Sohn grummelt vor sich hin, schaut auf die runde Kugel vor seinen Füßen, blickt auf die sich nach oben windende Spirale. Da hoch muss der Ball mit Schwung geschlagen werden, oben das Loch treffen, plopp! Dann wird die Kugel durch die Röhre purzeln, eine Schiene entlang rollen und auf einer Art Glockenspiel nach unten hüpfen – pling, plang, ploing! Klingt doch ganz einfach, oder? Er umfasst den Schläger fester, holt aus – und trifft nicht einmal den Ball. Der Sohn flucht und schmeißt vor Wut fast den Schläger weg.

Minigolfen ist langweilig? Altbacken? Total out? Mitnichten. Minigolfen stellt Familien und Freundschaften, Ehen und Geschwisterliebe auf eine harte Probe. Seit Jahrzehnten, immer wieder. Hörten wir nicht gerade noch ein „Pffff, Minigolf, wenn’s sein muss, dann spielen wir halt ’ne Runde, es geht ja um nix!“ aus dem Munde eines Mitspielenden?

Erstaunlich, wie viel Ehrgeiz selbst die Wettkampfgleichgültigsten an solchen Bahnen an den Tag legen können. Minigolf ist wie Mensch-ärgere-Dich-nicht, genauso zeitlos, nur draußen. Minigolf funktioniert auf jeder Bahn, sei sie noch so langweilig angelegt, blättert die Farbe auch ab und bröselt der Beton an den Rändern – spätestens nach den ersten gewonnenen oder verlorenen Bahnen ist der Wettkampfgeist erwacht.

Erst recht, wenn man auf so einer originellen Bahn gelandet ist wie jener in Oberharmersbach. „Adventure-Minigolf“ steht am Eingang. Abenteuer-Minigolf also. Und der Name hält, was er verspricht.
Wir stehen noch immer am Hindernis Nummer 6 – der Duftspirale. Der Sohn schlägt drei weitere Male, am Ende meistert er das Ding – pling, plang, ploing! Und strahlt triumphierend: „Minigolf ist gar nicht soooo schlecht.“

Minigolf in UnterharmersbachHinter uns liegen bereits knifflige Stationen wie der Brandenkopf, an dem es galt, die Kugel um ein Windrad zu bugsieren; und die Flößerbahn, ein rechteckiges Plateau, das bei jeder Bewegung wackelt wie ein Floß auf der Kinzig – und dann auch noch mit Sand gefüllt wurde, damit es nicht zu wenig schwierig ist. Gut, dass wir noch nicht ahnen, was uns an der Kuhfladenbahn erwartet
Genau das ist es, was den Reiz der Anlage in Oberharmersbach ausmacht: Die 18 Stationen greifen Themen der Region auf, sind mit viel Liebe phantasievoll bis witzig gestaltet und haben höchst unterschiedliche Untergründe. Mal schlagen wir im Sand, mal im Gras, mal auf Metall, Beton oder Kunstrasen. Glaubten wir Eltern noch wenige Stationen zuvor, unseren Kindern um Längen überlegen zu sein, kommen auch wir zusehends ins Straucheln.

An einer Station muss der Ball durch ein sich drehendes Mühlrad, an anderen einen Looping in einem alten Autoreifen vollführen oder einen Bach überwinden. Platsch! Der rote Ball ist im munter glucksenden Nass gelandet. Die Sonne lacht, wir fluchen, angeln den Ball und setzen an zum nächsten Schlag: Abenteuer Minigolf eben.
Ronja Vattes

ADVENTURE-MINIGOLF IN OBERHAERMERSBACH
Öffnungszeiten:
April, Mai, Okt., Nov.: Mo-Fr 12-20 Uhr, Sa, So, feiertags 10-20 Uhr;
Juni bis Sept.: täglich 10-20 Uhr
Eintritt:
Erwachsene 5,50 Euro, Kinder (5-16 Jahre) 3 Euro, sowie weitere Sondertarife
Kontakt: 07837/9223460,
http://www.adventure-minigolfpark.de

Übersicht weiterer Minigolfanlagen in Südbaden: http://bit.ly/minigolfsuedbaden

– Erschienen am 19. Mai 2014 in der Freizeit-Beilage der „Badischen Zeitung“ http://bit.ly/rovfb190514mini

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