„Ach, sind Sie Vegetarier?“

Die Schritte hasten durch die Tür, es bremst der Mann, sein Blick schaut hungrig aus. Des Mittags ohne Zeit will er nur schnell was Kleines essen und mustert Metzgers Theke. Da steht der Mann und mustert stumm die Würstchen, Wiener, Schinken. Unentschlossen blickt er drein, derweil sich vor ihm die Schlange staut, „einmal Frikadellen“, sagt die blonde Frau, die andre verlangt nach Hähnchenteilen. Dann ist’s an ihm, sein Blick, er gleitet tastend weiter, Fleischkäs‘, Lasagne, Blutwurst, Hackfleischklößchen. „Hm“, legt er seine Stirn in Falten, „was ist denn das da für ein Salat?“ „Nudelsalat oder anderer, grüner oder auch gemischter, selbst Kartoffeln hätten wir . . .“, sagt die Metzgersdame. Der Kunde sieht nicht gerade fleischlos aus, so fragt sie ihn: „Ach, sind Sie Vegetarier?“ Er schaut zurück, wirft seufzend einen letzten Blick aufs rosarote Schinkenangebot und sagt bedauernd: „Ja, manchmal“. Dann geht er raus als neu entdeckte Lebensform: der Mensch als Teilzeitvegetarier.
Ronja Vattes

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