Dem Urlaub auf der Spur

Beißt der wirklich nicht? Im Naturmuseum in Solothurn ist Anfassen ausdrücklich erlaubt. Fotos: Anselm Bußhoff

Beißt der wirklich nicht? Im Naturmuseum in Solothurn ist Anfassen ausdrücklich erlaubt. Fotos: Anselm Bußhoff

„Mama, ist hier jetzt Urlaub?“ Die Dreijährige schaut sich ungläubig in der schmucklosen, mit Neonröhren beleuchteten Tourist-Information um. Auch die beiden Jungs werden ungeduldig, seufzen, bruddeln etwas von „die immer mit ihrem Geplappere“ und wollen endlich: Urlaub.

Wir auch. Das aber ist gar nicht so einfach. Wir sind für ein Wochenende nach Solothurn in  der Schweiz gefahren, das Wetter ist gut – und so stehen uns alle Möglichkeiten offen. Und das sind viele. Sollen wir uns zunächst die Barockstadt anschauen? Oder auf den Hausberg von Solothurn,  den Weissenstein,  fahren, um die Aussicht in Richtung Alpen  zu genießen und ein wenig wandern zu gehen? Aber die alte Bergbahn ist dauerhaft außer Betrieb, erfahren wir, es gäbe nur die Möglichkeit sich mit dem Postauto  die Serpentinen nach oben zu schrauben. Da zweien unserer  Kinder schnell schlecht wird, fällt diese Option schonmal weg.  „Wir könnten auch den Zwergliweg ablaufen, Boot fahren auf der Aare, auf den Spuren der Dinosaurier wandeln  oder uns im  Zeughaus die Ausstellung mit den Ritterrüstungen ansehen“, schlagen wir Eltern vor.  Während die Jungs noch überlegen, entscheidet die Kleine freudestrahlend: „Lillifee, ich will zu Lillifee.“

Die Solothurner haben  viel zu bieten, aber das quietschrosa Feen-Kunstprodukt des deutschen  Spiegelburg-Verlages gehört zum Glück  nicht dazu. Eine längere Diskussion, aber nur wenige Autominuten  später stehen wir mit unseren Rucksäcken  im Wald. Wir haben uns für  die nördlich von Solothurn gelegene Verenaschlucht entschieden  und wollen am Bach entlang zur Einsiedelei wandern. Die Kinder sind nach wenigen Metern begeistert, selbst die Kleine vergisst vor lauter lindem Grün, guter Luft  und dem ab und an sanft zu vernehmenden Plätschern, Glucksen und Tröpfeln ihr „Will-aber-Lillifee“-Gemurre von eben.

Keine Spur von Lillifee: In der Verenaschlucht ist das quietschrosa Kunsrtprodukt aber schnell vergessen.

Keine Spur von Lillifee: In der Verenaschlucht ist das quietschrosa Kunstprodukt aber schnell vergessen.

Der Uferweg ist breit, das Laub raschelt und der Boden federt unter unseren Füßen, eigentlich könnten wir bequem und zügig vorwärtsgehen. Doch die Kinder kommen lieber vom Weg ab: Vorsichtig tasten sie sich von einem Stein zum nächsten mitten durch den Bach, lassen Kiesel springen und fischen mit langen Ästen Blätter aus dem Wasser. Nicht immer geht das gut, der Fünfjährige landet im Wasser und muss den Rest der Strecke mit nassen Hosen und ohne Pulli zurücklegen.

Wirklich weit ist es zum Glück nicht mehr bis zur Einsiedelei. Aus dem   Weg durch den Laubwald wird ein leicht ansteigender Pfad, mal den Fluss kreuzend, mal ihn begleitend. Das lichte Blätterdach verdunkelt sich, bis die Verenaschlucht ihrem Namen gegen Ende alle Ehre macht: Zwischen  imposanten Felsen hindurch geht es zu einer kleinen Kapelle, einem wahrlich winzigen Wohnhaus und einem in den Fels gehauenen, offenen Gottesraum. Selbst die Kinder erfasst die andächtige Stille.

Erquickt und vergnügt machen wir uns nach einer Vesperpause auf den Weg zurück in die Solothurner Altstadt.  Nach so viel Natur wollen wir uns nun auch noch das Naturmuseum anschauen. „Echt? So groß waren die wirklich?“ Der Siebenjährige ist für einen kurzen Moment sprachlos. Er sitzt im Naturmuseum Solothurn in einem  in Gips gegossenen Fußabdruck eines Dinosauriers – wohlgemerkt  passt er komplett  in den Abdruck eines einzelnen Fußes. Die Kleine hat  die ausgestopften Bären, den Elch und die Gämsen entdeckt, während sich der Mittlere geduldig im Vogelstimmenmemory übt.  Das Naturmuseum ist familienfreundlich gestaltet mit vielen Tieren zum Anfassen und Stationen zum Ausprobieren – und außerdem eine der wenigen Attraktionen, wo der Eintritt kostenlos ist.

Als wir wenig später nach einem gemütlichen Rundgang durch die schmucke Solothurner Altstadt etwas ermattet in einem Eiscafé sitzen, will die Kleine wissen, was wir als nächstes machen. „Schau mal, es ist ja schon fast Abend, jetzt fahren wir  dann nach Hause“, bekommt sie zur Antwort. Mit einem tiefen Seufzer sagt die Dreijährige: „War das jetzt schon Urlaub?“ Ihr älterer Bruder schaut glückselig auf seinen riesigen Eisbecher, einen  Coupe Zwergli, und tröstet sie: „Ja, das hier ist Urlaub!“
Ronja Vattes

Einsiedelei: Ein in den Fels gehauener Ort der Einkehr und Stille.

Die Einsiedelei: Ein in den Fels gehauener Ort der Einkehr und Stille – auch für die Kinder.

SOLOTHURN/SCHWEIZ
Solothurn liegt rund 140 Kilometer von Freiburg entfernt.
Verenaschlucht und Einsiedelei: Die Verenaschlucht liegt nördlich von Solothurn. Ein Meditationsweg mit 14 Kunstobjekten zeigt die Stationen vom Abendmahl bis zur Auferstehung Jesu, http://www.einsiedelei.ch/meditationsweg.htm
Mit Kindern geht es am schönsten die Verenaschlucht immer am Fluss entlang, am besten von April bis Oktober.
Naturmuseum: Klosterplatz 2 in Solothurn, geöffnet: Dienstag – Samstag 14-17 Uhr, Sonntag 10-17 Uhr, Montag geschlossen, Eintritt frei, Telefon: 0041/32/6227021, http://www.naturmuseum-so.ch
Kontakt: Region Solothurn Tourismus, Hauptgasse 69, 4500 Solothurn, Telefon 0041/32/6264646, oder unter http://www.solothurn-city.ch

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