Ein Pfadfinder im Bischofsamt

Weihbischof Rainer Klug. Bild: Hartmut W. Schmidt (Ordinariat Freiburg)

Weihbischof Rainer Klug. Bild: Hartmut W. Schmidt (Ordinariat Freiburg)

Nach Jahren in der Fremde darf ein Pfadfinder auf heimischem Boden schon mal kurzzeitig die Orientierung verlieren. Schmunzelnd verziehen vor einigen Jahren die in der Waldkircher Pfarrkirche St. Margarethen versammelten Gläubigen, dass sie als „liebe Karlsruher“ angesprochen worden waren. Und dies von einem, der nur wenige Kilometer entfernt aufwuchs: Rainer Klug, heute Weihbischof i. R., verbrachte einen Großteil seiner Jugend- und Schulzeit in Emmendingen.

1938 in Konstanz geboren, kam Rainer Klug 1948 zusammen mit seinen Eltern sowie den jüngeren Brüdern Peter und Bernd nach Emmendingen. Die Familie wohnte im Ärztehaus am Ende der Hochburger Straße. Vater Hubert arbeitete als Arzt in der Heil- und Pflegeanstalt, dem heutigen Zentrum für Psychiatrie (ZfP).

Im damals für die Öffentlichkeit unzugänglichen „Anstalts“-Park hatten die Söhne einen weitläufigen Abenteuerspielplatz, den sie mit ihren Freunden ausgiebig nutzten. Unter ihnen Bernhard Kern, der – wie Rainer Klug – 1955 zu den Gründern des katholischen Pfadfinderstamms „Markgraf Bernhard zu Baden“ gehörte und als dessen erster Leiter in die Pfarrchronik von St. Bonifatius einging. 1958 übernahm Rainer Klug dieses Amt, gab es ein Jahr später wieder ab, machte Abitur und studierte an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg. Den Pfadfindern sollte er treu bleiben – unter anderem als Diözesankurat, Mitglied der Bundesleitung der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) und deren Wölflingskaplan.

Nur ein Intermezzo blieb indes Klugs Tätigkeit als Grund- und Hauptschullehrer. Es folgte ein Theologie- und Philosophie-Studium sowie 1969 die Priesterweihe. Nach der Vikarszeit in Offenburg berief ihn Erzbischof Hermann Schäufele 1972 zum Diözesanjugendseelsorger. 1981 kehrte Klug in die Pfarrseelsorge zurück und Südbaden den Rücken. Es verschlug ihn nach Karlsruhe, wo er von 1992 an zudem als Regionaldekan für die Region Mittlerer Oberrhein-Pforzheim zuständig war. 2000 endete seine Zeit im Nordbadischen: Papst Johannes Paul II. ernannte Rainer Klug am 23. Mai zum Weihbischof der Erzdiözese Freiburg, am 29. Juni wurde er von Erzbischof Oskar Saier im Freiburger Münster geweiht. Am Sonntag, 15. Dezember 2013, wurde er an gleicher Stelle in einem Pontifikalamt von Erzbischof Robert Zollitsch aus dem aktiven Dienst verabschiedet.

Klug, der als unkompliziert und entgegenkommend gilt, ist ein geduldiger Zuhörer und Vermittler. Den evangelisch-liberalen Geist in Emmendingen nennt er für sein Leben ebenso prägend wie seinerzeit das Wirken von Stadtpfarrer Josef H. Maier. Dieser habe schon damals ökumenische Akzente gesetzt. Die Verbundenheit mit dem langjährigen Pfarrer der Pfarrei St. Bonifatius spiegelte sich auch darin wider, dass der Weihbischof den im Mai 2002 Verstorbenen zu Grabe trug und das Requiem zelebrierte.

Aber nicht nur hier werden Verknüpfungen zu den Emmendinger Jahren sichtbar. So war Klug unter den Gästen, als Ende 2001 Gemeindereferent Bernhard Kern verabschiedet wurde. Der Jugendfreund war, zunächst ehren-, später hauptamtlich, seit Gründung der Pfarrei im Jahre 1975 in St. Johannes tätig – jener Pfarrgemeinde, die Klugs Bruder Peter als erster Pfarrer bis 1984 mit aufbaute. Und 2003 stand Rainer Klug als Weihbischof zuletzt genau dort, wo er in seiner Jugend jahrelang als Ministrant diente: am Altar der Kirche auf dem ZfP-Gelände.
Anselm Bußhoff

Pfadfinderversprechen 1955 in Tennenbach: Rainer Klug (3. v. r) unter anderem mit Stadtpfarrer Josef H. Maier, Bernhard Kern (3. v. l.) und seinem Bruder Peter Klug (rechts). Bild: Pfarrarchiv St. Bonifatius

Pfadfinderversprechen 1955 in Tennenbach:
Rainer Klug (Dritter von rechts) unter anderem mit Stadtpfarrer Josef H. Maier, Bernhard Kern (Dritter von links) und seinem Bruder Peter Klug (rechts).
Bild: Pfarrarchiv St. Bonifatius

RAINER KLUG
Geboren: 13. Dezember 1938 in Konstanz.
Aufgewachsen ab 1948 in Emmendingen.
Mitgründer des ersten katholischen Pfadfinderstamms in der Pfarrei St. Bonifatius und von Mai 2000 bis Dezember 2013 Weihbischof der Erzdiözese Freiburg.

Laut Kirchenrecht sind Bischöfe gehalten, mit Vollendung des 75. Lebensjahrs dem Papst ihren Rücktritt anzubieten. Am 13. Dezember 2013 erreichte Rainer Klug diese Altersgrenze. Papst Franziskus hat daher am 21. November den Amtsverzicht als Freiburger Weihbischofs angenommen.

– Roter Pfarrer oder Büttel des Chefs? Ein Audienz bei Weihbischof Rainer Klug zum Abschied aus dem Amt – Beitrag aus der „Badischen Zeitung“ vom 14. Dezember 2013 http://mehr.bz/bof5145
– Kirche von Freiburg durch sein Wirken beschenkt: Rainer Klug ist nun Weihbischof in Reichweite – Homepage der Erzdiözese Freiburg http://mehr.bz/maf34

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