Die Männer mit den Lichtern

Alle Jahre wieder kommen die Männer mit den Lichtern.

Alle Jahre wieder kommen die Männer mit den Lichtern.

Handwerker scheinen kleine Jungs von Natur aus zu faszinieren, Verkäuferinnen zuweilen auch. Und dies nicht nur, weil sie mit Traubenzucker, Wienerle, „Luftboms“ oder „Gumbelbärle“ die Kinder bestechen. Schwer beeindruckt zeigte sich auch ein damals knapp Dreijähriger, der seinen Papa in ein Elektrofachgeschäft begleiten durfte. Eigentlich sollte nur der Liefertermin einer  Küchenmaschine erfragt werden. Doch  das Teil konnte gleich mitgenommen werden. Dies begeisterte den sonst eher schüchternen Knirps  derart, dass  er auf dem Heimweg  ausnahmslos jeden Passanten anhaute: „Die Maschine war ruck, zuck da!“ Die Verkäuferin ist seither „die Frau mit der Ruck-Zuck-Maschine“. Die nächste Begegnung mit dem Unternehmen versetzte den Dreijährigen nicht minder in Staunen. Mit weit aufgerissenem Mund verfolgte er  am Fenster, wie ein Installationstrupp der Elektrofirma per Kranwagen und Leitern die Straße mit Lichtergirlanden schmückte. Ein Ereignis, das sich im Jahreslauf zu diversen Festen und Weihnachten wiederholt.

War zunächst nur der inzwischen Fünfjährige der Faszination des Girlandenaufhängens und des Lichterglanzes erlegen, so hat er seinen zwei Jahre jüngeren Bruder längst mitgerissen. Sturzbäche von Tränen fließen, wenn „die Männer mit den Lichtern“ ihre Arbeit  einmal in Abwesenheit der Kinder verrichten. Sind diese getrocknet, muss Papa mit ihnen zum „Mann, der nie auf die Leiter geht“ – dem Firmeninhaber –  und sich beschweren. Kaum haben sie ihn entdeckt,  fragen  die Jungs schon mal: „Wieso hat der Mann eine Arbeitsjacke an? Der arbeitet doch nichts.  Das ist doch der Chef!“

Einen ähnlichen Ruf hefteten sie auch einem seiner Angestellten an. Dieser hat bei der Oma jüngst eine neue Waschmaschine aufgestellt und ist, um das Gerät ins Lot zu bringen, zu Boden gegangen. Angesichts der Enge des Raumes und der Dimension des  Mitarbeiters ein zweifellos beeindruckendes  Ereignis. So war die Freude groß, als beim nächsten Besuch des Elektrogeschäftes neben  Chef und Chefin auch der Servicetechniker wiedererkannt  wurde. Irritierte Blicke der anwesenden Kunden und des Inhaberehepaares sowie ein knallrot anlaufender Angestellter folgten der  quer durchs Ladenlokal gebrüllten Begrüßung: „Hallo, du Mann, der immer in der Ecke liegt!“
Anselm Bußhoff

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