Verliebt in Tatschskrien

Veräppelt von der Wetter-App? Bild: Anselm Bußhoff

Veräppelt von der Wetter-App? Bild: Anselm Bußhoff

Der Mann an ihrer Seite ist glücklich. Zärtlich tätschelt er immer wieder sein neues Smartphone, tippt mit seinen Fingern sachte, fast liebevoll auf den berührungsempfindlichen Bildschirm, auch Touchscreen (sprich: Tatschskrien) genannt. Und juchzt entzückt, wenn er irgendwo in den Weiten des virtuellen Marktes wieder eine neue App gefunden hat, ein Programm, das den Alltag bereichert. Bundesliga-App, Stau-App, Spiele-App.

Seit Tagen geht das nun so. Citymap-App, Notiz-App, Schüttel-Aktualisierungs-App – und bald wohl auch eine App-App. Und jetzt die Wetter-App, ein Programm zur Wettervorhersage. Während sie weiterhin brav in die Zeitung, abends die Nachrichten oder einfach aus dem Fenster schaut, tatscht er auf dem Skrien herum, lobt die ortsgenauen Vorhersagen mit Wölkchen, Sternchen und Regentröpfchen „Und schau doch mal, das ist was ganz Geniales! Jetzt habe ich sogar einen Regenalarm!“, jubelt er, während sie durch die wolkenverhangene Stadt spazieren. Mit einem Klospülgeräusch als Signal soll das Gerät ihn warnen, wenn es im Umkreis von 20 Kilometern zu regnen beginnt.

Der Himmel wird dunkler, Wind kommt auf. Sie fummelt am Regenschirm. Er fummelt an seinem Gerät. „Den Schirm brauchst du nicht, wir haben doch die Wetter-App“, beschwichtigt sie der Mann. Die ersten Regentropfen fallen, mitten aufs Gerät. Das schweigt. Sie auch.
Ronja Vattes

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