Schnitzeljagd auf Esskastanien

Emmendingens höchster Punkt: der Eichbergturm

Emmendingens höchster Punkt: der Eichbergturm

Es trippelt und trappelt, kleppert und scheppert, stampft und dampft am Ende gar, wenn drei kleine Kinder einen Aussichtsturm aus Holz und Stahl erklimmen und dabei gleichzeitig versuchen Erster zu sein und die Stufen zu zählen.

Paul (5), Peer (3) und Elisa (1) stapfen, je nach Alter und Können, mehr oder weniger behende die Treppen des Emmendinger Eichbergturms nach oben. Abwechselnd starren sie durch die luftigen Stufen nach unten und versuchen sie zu zählen, dann wieder geht ihr Blick nach oben. Irgendwo dazwischen lauert der Drehwurm.

Am Anfang war die Truppe noch lautstark bei der Sache, doch je weiter sich die Wendeltreppe nach oben windet, wird es stiller, die Anstrengung ist allen anzumerken – auch den Eltern. Nach den stets mit Jubeln erreichten Zwischenplattformen („Uii, jetzt bin ich schon so groß wie die Bäume“), kehrt andächtige Stille ein, als wir das Aussichtsrund in 43 Meter Höhe erreichen und der Blick sich in alle Richtungen weitet.

Trotz typischen Herbstwetters und immer wieder einsetzenden Regenschauern ist die Laune gut, die Sicht eher nicht, zumindest in den Augen der Erwachsenen. An sonnigen, klaren Tagen bietet sich normalerweise ein großartiger Rundblick über Freiamt, den Kandel, den gesamten Schwarzwaldkamm bis zum Isteiner Klotz, den Schweizer Jura, die Vogesenkette und den Kaiserstuhl.

Heute sind hier nur die nahen Hügel zu erkennen, dennoch sind die Kinder begeistert. „Und da ist Freuamt?“, quietscht Peer vergnügt, denn Freiamt, wie es natürlich eigentlich heißt, bedeutet für ihn so viel wie leckere Pfannkuchen (im Gasthaus „Lamm“ in Reichenbach) und bunte Stifte im Wald (auf dem Walderlebnispfad am Rollberg in Ottoschwanden). Doch beides ist nicht unser Ziel. Wir wollen, ausgehend vom Eichbergturm im Emmendinger Wald, durch den Herbstwald wandern bis zum Kloster Tennenbach.

Die Strecke ist überschaubar: Rund fünf Kilometer geht es vom Eichbergturm aus auf breiten Pfaden mit leichtem Auf und Ab nach Tennenbach. Und genau deshalb sind wir hier unterwegs. Wer als Familie die Interessen mehrerer Kinder unterschiedlichen Alters unter einen Hut bringen will, muss sich was einfallen lassen. Die Kleine kann die Strecke natürlich nicht laufen, doch nur im Kinderwagen sitzen, ist langweilig. Und die beiden Jungs laufen eigentlich gerne, aber einfach nur so Strecke machen? Auch nicht wirklich beliebt. Deshalb also: Rein in die Regenklamotten, die Jungs rauf auf die Laufräder, die Kleine in den Kinderwagen – und die Wanderung wird zur „Schnitzeljagd auf Esskastanien“ umgemünzt.

Unterwegs im Herbstwald Bilder: Anselm Bußhoff

Unterwegs im Herbstwald – Bilder: Anselm Bußhoff

Während die Jungs noch darüber diskutieren, wie viele Stufen der Eichbergturm denn nun hatte – „Vierundneunzigtausendhunderte“ meint fachmännisch der Dreijährige, „Quatsch! das waren mindestens hundert“, kontert der Fünfjährige und sie sich dann auf „Naja, ziemlich viele eben“ einigen – ist bereits ein gutes Stück des Weges durch den Mischwald geschafft. Vorbei an moosbewaldeten Abschnitten, luftigen Laubbäumen und durch sattgrüne Tannenabschnitte geht es weitgehend eben voran. Der Regen hat hier und da Pfützen gebildet, die als „Radwaschanlagen“ genutzt werden, doch der Weg ist überall auch mit dem Kinderwagen gut befahrbar.

Immer wieder liegen – zum Glück in großen Abständen – Esskastanien auf dem Weg. Dann heißt es Pause und Beute machen. Die Kleine ist in ihren Matschhosen ebenfalls eifrig dabei.

Weiter geht es durch den Wald, der sich langsam lichtet, bis linker Hand unter uns im Tal die ersten Wiesenstücke zu sehen sind. Begeistert wollen die Kinder alles zu den Hochständen wissen: Wofür man eigentlich Jäger braucht und warum der eine Hochsitz ein Dach hat und der andere nicht. Und warum die Tiere nicht so viele junge Bäume essen sollen, „es gibt doch hier genug“.

Gefühlte 389 Fragen später erreichen wir den Waldrand: Freier Blick auf die Reste des einst imposanten Klosters Tennenbach. Jetzt sind es nur noch wenige Meter bis zu unserem Ziel, dem Gasthaus Engel. „Gibt es dort auch Pfannkuchen?“ Die stehen zwar nicht auf der Karte, dafür gibt es leckere hausgemachte Spätzle mit Rahmsoße, Speckeier, Wurstsalat, Vesperplatten und allerlei Wild.

Die Kinder beugen sich mit von der frischen Luft roten Bäckchen über die Spielzeugkiste und die Malsachen in der Gaststube. Als sie aber hören, dass der Papa „Geschnetzeltes vom Reh“ bestellt, ist es mit der Ruhe aus: „Reh? Ist das aus dem Wald? Hat das der Jäger auf dem Hochsitz geschossen? Warum denn? Hat das Reh zu viele Bäume gefressen?“
Ronja Vattes

VOM EICHBERGTURM NACH TENNENBACH
Parken: Auf dem Waldparkplatz, direkt an der K 5100 zwischen Emmendingen und Tennenbach, versehen mit dem Eichbergturmschild. Von dort weist eine Wandertafel den Weg.
Mit Kinderwagen und Laufrädern: Nach dem Eichbergturm zunächst der vom Parkplatz ausgehenden Nordic-Walking-Strecke folgen, bis diese auf den breiten Forstweg von Emmendingen nach Tennenbach stößt, ab da gute Beschilderung nach Tennenbach.
Varianten: Vom Parkplatz zum Ausflugslokal „Stilzer Fritz“ oder – über Maleck – zur Hochburg, wo es Burgruine, Hühner und Kühe zu sehen und Hofprodukte zu kaufen gibt.  (amb)

Ein Gedanke zu “Schnitzeljagd auf Esskastanien

  1. Also wenn ich Eure Unternehmungen immer so lese, bin ich doch ein bißchen traurig, dass wir nicht in dieser Region leben.

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