Alles Käse im Traumurlaub

Käse, Salami, Baguette und Wein: Picknick mit Blick auf den Mont d’Or - Bilder: Anselm Bußhoff

Käse, Salami, Baguette und Wein: Picknick mit Blick auf den Mont d’Or – Bilder: Anselm Bußhoff

Vielleicht stehen heute die Sterne besonders günstig. Vielleicht ist es das versprochene Picknick, das lockt. Vielleicht ist es aber auch einfach der Weg, der unsere drei Kinder an diesem schönen Sommertag wie von selbst vorwärts zieht. Ohne Murren. Ohne Maulen. Ohne „Mama, ich mag nicht mehr“.  Ein kurzes Stück sind wir auf einem breiten Weg  steil bergauf gewandert, sind quer über eine Kuhweide gestapft und nun stehen wir im Wald. In einem besonders schönen dazu. Lichtes Grün, die Bäume stehen weit genug auseinander, um noch ein wenig Sonne durchzulassen. Der Pfad ist mal wurzelig, mal felsig, geht mal hoch und mal runter, schlängelt sich munter durch eine Landschaft, die so typisch ist für diese Region.

Von Freiburg aus ist die Franche-Comté selbst für ein Wochenende nahe genug. Das Gebiet ist groß und erstreckt sich  zwischen dem Elsass, Lothringen und der Region Champagne-Ardenne, wird im Westen von der Bourgogne und im Süden von der Region Rhône-Alpes begrenzt und teilt sich  in Form des  Juramassivs im Osten rund 230 Kilometer Landesgrenze mit der Schweiz.

Die Region bietet den unterschiedlichsten Reisenden etwas:  Mountainbikern und Reitern, Skifahrern und Kulturbegeisterten, Paddlern und Wanderern wie uns. Denn es gibt die waldige, eher ebene Franche-Comté und es gibt die hügelige bis bergige Franche-Comté im französischen Jura. Unser Favorit: Die Gegend zwischen Pontarlier und Vallorbe, dort wo die weiten Wälder auf die felsigen Hügel treffen, wo es weite Hochebenen, stille Seen und glucksende Bäche gibt.

Und so sind wir ein weiteres Mal im Hochsommer hier gelandet. Weil wir Frankreich lieben – und die Hochsaison nicht leiden können. Weil der Weg in den Urlaub so schön  kurz ist – und die Region nicht überlaufen. Ein kleines Bergdorf, ein stilles Plätzchen findet sich jederzeit, wenn andere Artgenossen sich wie Sardinen  Handtuch an Handtuch am Strand liegend in der Sonne aalen. Und wir sind hier: Weil unsere Kinder Kühe lieben – und wir das Essen der Franche-Comté.

Und so beachten wir auf unseren Wanderungen stets beides: Vorbei an Kühen muss es gehen, „Allez! Allez!“ – und  etwas Gutes zu essen darf auch nicht fehlen. Dafür brauchen wir  kein teures Restaurant, ein gut bestückter Rucksack mit französischen Leckereien reicht völlig aus.  Denn die Franche-Comté hat an  regionaltypischem Essen   einiges zu bieten: Käse, Wurstspezialitäten, alkoholhaltige Likörchen. Doch der Reihe nach.

Da wäre erst einmal der Käse. Am typischsten für die Region ist, der Name sagt es schon, der Comté.  Nicht nur in jedem Supermarkt gibt es ihn  zu kaufen, sondern auch in den Käsereien direkt an der Käseroute, die sich durch die Franche-Comté schlängelt. Musste man als deutscher Urlauber noch vor zehn Jahren auf Wörterbuch oder ein paar eigene Brocken Französisch vertrauen, gibt es heute durchaus auch schon Infobroschüren, die in flüssigem Deutsch verfasst sind und alle nötigen Angaben für eine Tour von Hof zu Hof beinhalten.

Den Comté gibt es in unterschiedlichen Reifegraden von jung  über mittelalt bis hin zu richtig alt. Was das jeweils heißt, sollte man am besten probieren. Der Comté fruité, der fruchtige Käse, ist   meist  vier bis sechs Monate gereift, steigert sich über eine Lagerungsdauer von mehr als zwölf Monaten bis hin zum alten Comté mit mehr als 36 Monaten Reifezeit –  und den dafür typischen Salzeinlagerungen in der eher bröckeligen, aber höchst schmackhaften Käsestruktur.

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Einen Besuch wert: Pontarlier

Eine zweite Käsespezialität, die es jedoch nur im Herbst und Winter zu kaufen gibt, ist der Mont d’Or, benannt nach dem gleichnamigen und ebenfalls sehenswerten Berg. Der Mont d’Or ist ein weich schmelzender Käse, den man in runden Holzschachteln kaufen kann. Franzosen stellen ihn am liebsten als Ganzes samt Holzschachtel in den heißen Ofen, um ihn mit leckeren Baguettestücken  direkt aus der Holzschale zu dippen. Wir mischen ihn am liebsten mit Sahne,  einer Prise Muskatnuss und Knoblauch  unter die rohen Kartoffeln, ab in den Ofen,  für ein ebenso leckeres wie  gehaltvolles Kartoffelgratin.

Da es aber nicht  Winter ist, und  wir auf unserer Wanderung üblicherweise keinen Ofen mitschleppen,  müssen  wir heute ohne Mont d’Or auskommen.  Und ohne die  leckere, aber ungekocht nicht essbare  Saucisse  Morteau.  Wer einen Ausflug in die Franche-Comté macht, sollte sich die jedoch keinesfalls  entgehen lassen. Hier lohnt es sich, nicht auf den Preis, sondern auf die Auszeichnungen mit der Medaille d’Or zu achten.

Typischerweise wird diese rohe Mettwurst in heißem Wasser am Stück gekocht – unser Favorit ist aber eine andere Variante: Üppig Zwiebelringe in Olivenöl goldbraun anbraten, aus der Pfanne nehmen und dann die in Scheiben geschnittene Saucisse Morteau fumé im restlichen Fett von beiden Seiten anbraten, Kümmel drüber streuen und mit den Zwiebelringen und ein paar Pellkartoffeln (sowie je nach Belieben mit etwas Bibbeleskäse und Hausmachersenf) genießen. Ein badisch-französisches Küchen-Crossover.

Nach Käse- und Wurstspezialitäten hat die Region seit einiger Zeit   ein altes Traditionsgetränk wiederentdeckt: den giftgrünen Absinth. Der Likör kann nicht schaden vor oder zur Not auch nach einem  üppigen Essen – wenn einem der Geschmack nach Wermut, Fenchel und Anis  zusagt. Die Geschichte dieses sagenumwobenen Getränks lässt sich auf der Straße des Absinths im wahrsten Sinne des Wortes erfahren.

Und wenn wir schon beim Essen sind: Wer in die Nähe von Pontarlier kommt, sollte es nicht versäumen, einen Abstecher in das kleine, schmucke Städtchen zu unternehmen, das auch als die Hauptstadt des Absinths gilt.   Hinter dem Stadttor  reihen sich kleine Läden, Cafés und Kneipen  aneinander, darunter  Spezialitätengeschäfte für handgeschöpfte Schokolade, Pralinen und Torten und ein preisgekrönter Feinkostladen mit Pastetchen, Fischspezialitäten und Desserts.

Weder handgeschöpfte Schokolade noch Feinkostschnickschnack haben wir in unserem Rucksack, während wir mit unseren Kindern weiter durch den lichten Wald stapfen, sondern das, was die Region  in ihrer Einfachheit zu bieten hat: ein großes Stück Comté, ein knuspriges Baguette, ein bisschen Wildschweinsalami aus den  Alpen, eine Flasche Rotwein, ein Holzbrett und ein Messer – mehr braucht es nicht für ein typisch französisches Picknick an einer kleinen, namenlosen  Kalkhöhle mitten im Wald. Mehr braucht es nicht zum Glücklichsein.
Ronja Vattes

Frankreich Franche-Comté Jougne Wandern Wanderung

Wanderung mit Blick in die Schweiz: Im französischen Jura kein Kunststück

DIE REGION FRANCHE-COMTÉé
Unterwegs auf der Käseroute: Die Broschüre und Infos rund um Käseroute und Comté gibt es auf deutsch unter http://www.lesroutesducomte.com
Auf den Spuren des Absinths: http://www.routedelabsinthe.com/de
Kontakt Region Franche-Comté: http://www.franche-comte.org oder unter der kostenfreien Hotline 00800/ 20062010

– Erschienen am 4. Oktober 2013 im „Reise & Freizeit“-Magazin der „Badischen Zeitung“ http://mehr.bz/franchecomte

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