Schatz, wo bist du?

Da geht's lang! Oder vielleicht doch da?

Da geht’s lang! Oder vielleicht doch da?

„Also bei mir ist Norden hinten, dann müssten wir doch da  lang gehen.“ – „Aber bei mir zeigt das Gerät nach rechts.“ Wie? Die Verwirrung ist komplett. Drei Kinder starren auf drei quietschgelbe Mini-Computer und können sich über den weiteren Streckenverlauf der Wanderung nicht einigen. In ihren Händen halten sie keine Wanderkarte, sondern einfach zu bedienende GPS-Geräte, die uns heute zu geheimen Wegpunkten im Schuttertal rund um Seelbach und die Burg Lützelhardt führen sollen. Das Ganze nennt sich Geocaching und ist eine Art moderner Schnitzeljagd, mit der wir uns auf die Suche nach dem Schatz der Lützelhardter machen.

Die Geräte, die wir für diese Suche brauchen, haben wir zuvor bei der Tourist-Info in Seelbach ausgeliehen. Dort gab es eine kurze Einweisung in die Technik, Ersatzbatterien  und einen Leitfaden auf Papier. Auf acht Seiten wird die Grüselhornsage rund um die Burg Lützelhardt erzählt und es gilt, Rätsel zu lösen, um durch die richtigen Antworten die geografischen Zielkoordinaten für den Schatz herauszubekommen.

Los geht’s am Friedhof. Fünf Kinder warten ungeduldig, während wir Eltern noch die   Koordinaten N48˚18.723, E007˚56.744 in die GPS-Geräte tippen. „Der Schatz ist bestimmt da vorne, gell?“, meint einer der Jungs, und ab sofort wird jeder Mülleimer und jeder Stein verdächtigt. Doch anstatt auf die vom Friedhof aus schnell zu erreichende Burg im Wald zu stürmen, lotsen uns die Geräte nach einigen Irrungen und Wirrungen – ins Wohngebiet. Während wir Eltern innerlich aufstöhnen (wer läuft schon gern auf Asphalt, wenn es so viel schöne Natur gibt?), bekommen die Kinder vom Weg sowieso nicht viel mit. Sie starren die meiste Zeit gebannt auf ihre Geräte und lösen das erste Rätsel an einem Garagentor. Bald geht es doch  ins Grüne, vorbei an Maisfeldern, ordentlich bergauf zum Geisterbrunnen, echte Pausen brauchen wir keine – schließlich müssen wir zum Eintippen des nächsten Ziels sowieso  wieder anhalten. Mehrfach ist uns der Weg nicht klar. Auf anderen Wanderungen hätte das zu einer Meuterei geführt – hier nehmen es die Kinder gelassen hin, der Technik sei dank.

Gefunden! Schatzsuche erfolgreich beendet!

Gefunden! Schatzsuche erfolgreich beendet!

Begeisterung kommt in Schatznähe auf. „Mein Gerät sagt, noch drei Meter“, schallt es durch den Wald. „Irgendwo da vorne muss es sein!“ Jetzt gibt es kein Halten mehr: Die Kinder klettern über Stämme, kriechen durchs Unterholz, hüpfen Felsen hinab – und finden schließlich mit etwas Hilfe die wasserfeste Plastikbox. Darin ein Logbuch, in das sich die Finder eintragen dürfen. Enttäuschung macht sich breit. Irgendwie hatten die Kinder sich unter Schatz  etwas anderes vorgestellt. Doch kurze Zeit später ist das schon wieder  vergessen.  Die Kinder hüpfen auf schmalen Pfaden  durch den Wald bergab zum Friedhof: „Zuhause machen wir auch eine Schatzsuche, aber mit einem richtigen Schatz, gell?“
Ronja Vattes

Info: Tourist-Info Seelbach, 07823/949452, http://www.seelbach-online.de

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