Voll verplant ins nächste Jahr

Die Ostsee - ein Urlaubsort für nächstes Jahr? Foto: Christian Block

Die Ostsee – ein Urlaubsort für nächstes Jahr?
Foto: Christian Block

Oh, Mann! Wo ist denn bloß … gibt’s doch gar nicht … Hat irgendjemand noch die Gebrauchsanweisung für den Montag parat? Irgendwer muss sie wieder verschusselt haben. Zusammen mit der Anleitung zum Wiedereinstieg in den Schulalltag, dem Manual fürs „Gelangweilt-in-Meetings-rumsitzen-und-dabei-ganz-interessiert-schauen“ und dem Masterplan fürs Funktionieren des Menschen im Alltag nach dem Urlaub.

Da sind wir noch so angefüllt von den lauen Sommerabenden am See, den atemberaubend schönen Aussichten von Alpengipfeln, den Kuschelzeiten mit den Kindern – und dann das: stapelweise Rechnungen, Wäscheberge, Wollmäuse, Terminanfragen. Da haben wir noch den Südseesand in den Schuhen, ein paar Muscheln in der Hosentasche, tragen den Duft des Sommers in den Haaren – und schon drängt sich wieder die nervenzehrende Frage auf: Wo fahren wir eigentlich nächstes Jahr hin? Spanien oder Frankreich, Berge oder Meer? Denn wer als fünfköpfige Familie noch ein nettes Ferienhaus, mit der Clique eine große Finca oder einfach nur einen günstigen Flug ergattern will, muss sich sputen. Woher, um Himmels willen, sollen wir denn wissen, was uns im Sommer 2014 guttun wird? Ein Sporturlaub oder pures Faulenzen, ein inspirierender Städtetrip oder drei Wochen Sandkörner zählen?

Unser ganzer Elan wird in wenigen Tagen verpufft sein. Was wollten wir nicht alles anders machen! Und statt wie Sänger Tim Bendzko die Welt zu retten, müssen wir unsere Mails checken. Wüster Werbeschrott, unerotische Erotikangebote, goldige Gewinnversprechungen und eine Ankündigung lauern im Kasten: „Colmar – la Magie de Noël“ mit dem freundlichen Hinweis, man würde sich über eine baldige Ankündigung des Weihnachtsmarktes in der Zeitung freuen. Wir kichern hysterisch, fallen dem Wahnsinn endgültig anheim, suchen den nächstbesten Supermarkt auf, kaufen Lebkuchen und verzehren sie bei 24 Grad im Kerzenschein. Das Leben kann so romantisch sein.
Ronja Vattes

– Erschienen am 9. September 2013 in der Rubrik „Unterm Strich“ der „Badischen Zeitung“ http://mehr.bz/stzus209

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