Gut zurechtgeschustert

Wie damals: Die Schuhmacherwerkstatt im Heimatmuseum Hammerschmiede in Lahr-Reichenbach

Wie damals: Die Schuhmacherwerkstatt im Heimatmuseum Hammerschmiede in Lahr-Reichenbach

Alte Backformen für Osterlämmer, Maggiflaschen, Kaffeemühlen, ein Küchenherd, der noch befeuert werden muss, gestärkte Tischwäsche und Küchenschürzen mit Kreuzstichmustern: „Wenn ich ältere Leute hier durchführe – die sind ganz begeistert und wollen gar nicht mehr weg“, erzählt Marion Himmelsbach, als sie uns das Heimatmuseum zeigt. Mit viel Liebe zum Detail haben fleißige Helfer hier, auf dem riesigen Dachboden oberhalb der alten Hammerschmiede in Lahr-Reichenbach, fast vergessene Alltagssachen zusammengetragen.

Egal, ob es die alte Spätzlepresse, das schwarze Bakelittelefon mit Wählscheibe, das Werkzeug der Schindelmacher, die Werkstatt eines Schuhmachers oder eine der ersten Waschtrommeln zum Hin- und Herwippen ist, für manch einen wird der Rundgang zur Reise in die Vergangenheit. Und Kinder schauen ungläubig, wie sonderbar und aufwendig das Leben einst war.

Besonders lebendig und anschaulich wird das an den Aktionstagen: Dann setzen Mitglieder des Schwarzwaldvereins, der das Museum führt, die alte mit Wasserkraft betriebene Hammerschmiede in Gang. Dann glühen die Eisen, riecht es nach Feuer, hört man das Dröhnen der rostigen Dreschmaschine und den knatternden Motor der alten Holzsäge: „Das ist ein wahnsinniger Lärm, aber die Kinder sind ganz beeindruckt“, erzählt Marion Himmelsbach.

In und um das idyllisch gelegene Fachwerkhaus aus dem Jahre 1730 gibt es viel zu entdecken. Eine Holzlehrschau zeigt – aufklappbar – heimische Bäume und wie sie sich unterscheiden. Ein kleiner Bach gluckst munter vor sich hin, vor einiger Zeit wurde hier eine Fischtreppe gebaut. Sie fügt sich so gut in die Landschaft, als sei sie schon immer dagewesen.

Imker Paul Steinert erklärt Besuchern ebeneso anschaulich wie ausführlich die Entwicklung der Bienenzucht.

Imker Paul Steinert erklärt Besuchern ebenso anschaulich wie ausführlich die Entwicklung der Bienenzucht.

Im eigens eingerichteten Bienengarten hinter dem Haus erklärt Imker Paul Steinert an solchen Tagen mit viel Engagement und körperlichem Einsatz das Leben der Bienen, wie sich die Honigproduktion entwickelt und verändert hat. Wie es einst mit der Korbimkerei begann, wie dann mit der sogenannten Hinterbehandlungsbeute und später der Magazinbeute (so werden die unterschiedlichen Bienenkästen genannt) die Imkerei Einzug in alle Schichten der Bevölkerung hielt. „Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Magazinbeute entwickelt – da konnte man viel besser reingucken und schauen, ob der Honig schon reif ist“, erklärt Steinert. Und natürlich zeigt er auch wie der Honig geschleudert wird.

Seit 1998 wird die Hammerschmiede bei Veranstaltungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Anfangs gab es noch einen echten Schmied, heute haben Mitglieder des Schwarzwaldvereins die lautstarke Arbeit mit Hammer und Amboss übernommen. Ohne ihr Engagement wäre die Hammerschmiede wohl längst verstummt.
Ronja Vattes

ALTE HAMMERSCHMIEDE
Die Hammerschmiede in Lahr-
Reichenbach, Schindelstraße 8/1, ist nur zu Veranstaltungen oder auf Anfrage für Gruppen geöffnet.
Kontakt: Marion Himmelsbach, 07821/7533;
für Gruppenführungen: Egon Billian, 0170/ 3539753

In der alten Hammerschmiede in Lahr-Reichenbach hat das Heimatmuseum seinen Platz gefunden.

In der alten Hammerschmiede in Lahr-Reichenbach hat das Heimatmuseum seinen Platz gefunden.

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