Beutelpflicht beim Gassigehen

Unübersehbar - doch Hunde können nicht lesen.

Unübersehbar – doch Hunde können nicht lesen.

Während andernorts die Beutelspender zur Hundekotentsorgung wie Pilze aus dem Boden schießen, rüstet die hessische Kleinstadt Eltville ab. Im Kampf gegen die Tretminen auf Straßen und Plätzen brachten die Tütchenständer ebenso wenig, wie unübersehbare Schilder mit der Aufschrift „Hier ist kein Hundeklo“. Ein Hinweis, der im eigentlich idyllischen Städtchen am Rhein vielfach in sein Gegenteil verkehrt wurde.

Da Hunde nun mal nicht lesen können und deren Besitzer sich allzu oft einen (Hunde-)Dreck um die Tafeln scherten, wurde nun die Strategie gewechselt. In jüngster Sitzung änderte das von einer schwarz-grünen Allianz dominierte Stadtparlament die Verordnung zur Gefahrenabwehr. Mit einer Beutelmitführpflicht soll weiterer Unbill abgewendet werden.

Wer künftig in der rund 18.000 Einwohner zählenden Stadt seinen Vierbeiner ausführt, muss Tütchen in ausreichender Zahl mitführen. Ersatzweise sind andere geeignete Mittel vorzuweisen, mit denen sich die Hinterlassenschaften aufnehmen und wegschaffen lassen.

Herrchen und Frauchen, die mit Hund, aber ohne entsprechende Transportmittel fürs Geschäftchen erwischt werden, müssen 20 Euro aus der Tasche ziehen. Wer nicht in den Beutel steckt, was sein Vierbeiner hinterlässt, dem wird noch tiefer in den Sack gegriffen. Je nach Verunreinigungsort sind zwischen 100 und 150 Euro fällig.

Damit die Verordnung nicht ähnlich schnell über die Haufen stolpert, wie das Alkoholtestermitführgesetz unserer französischen Nachbarn, sorgt Eltville vor. Die Verwaltung will Hundebesitzern weiterhin Entsorgungsbeutel zur Verfügung stellen. Jedoch nicht mehr über öffentliche Spender, sondern per Ausgabe im Rathaus. Offen bleibt, wie künftig im Rheingau mit Touristen umgegangen wird, die am geschlossenen Rathaus vorbei ebenso unwissend wie beutellos mit Vierbeinern durch die Gassen ziehen. Ob die Stadtsheriffs auf ihren Beute(l)zügen mit Tütchen aushelfen?
Anselm Bußhoff

– Erschienen am 12. Juli 2013 in der Rubrik „Unterm Strich“ der „Badischen Zeitung“ http://mehr.bz/stzus159

pol1_fre_12.07.2013_1-page-001

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s