Nicht nur Marmor, Stein, auch Alu bricht

Es war einmal: unser Kinderwagen

Es war einmal: unser Kinderwagen

Zu den Vorfreuden, die dem Elternwerden vorausgehen, gehört auch die Suche nach einem Kinderwagen. Robust, doch leicht zusammenlegbar sollte er sein, beim Joggen darf er nicht gleich aus der Bahn geraten, dabei aber so leichtgängig laufen, dass auch die Oma das Gefährt problemlos durch Stadt oder Park chauffieren kann. Wenn mit dem TFK-Joggster-2 (Trends for Kids) schließlich ein Modell gefunden ist, das sowohl der schwangeren Frau als auch dem Gatten gefällt, bereitet es den werdenden Eltern (fast) keine Probleme, hierfür knapp 400 Euro auf die Ladentheke zu legen. Es ist ja für den Nachwuchs.

Erste Ernüchterung macht sich breit, wenn wenige Wochen nach der Geburt des Kindes das rechte Hinterrad den Abgang macht und sich samt Halterung aus der Hinterachse löst. Nicht nur, dass es gilt, auf abschüssiger Strecke dem davoneilenden Reifen nachzujagen, auch das Heimtragen von Kinderwagen und sechs Monate altem Sprößling ist nicht das reine Vergnügen. Umso glücklicher, wer nach 14-tägiger Reparaturzeit das Transportmittel zurückerhält.

Endgültig vorbei ist’s mit der Freude über das teure Stück, wenn dieses einige Monate später erneut in die Knie geht – plötzlich, ohne jede Vorwarnung. Einfach so im Stehen. Unter dem Gewicht des gerade mal wenige Wochen alten Zweitgeborenen zusammengebrochen. Die Aufhängung der Hinterachse – zwei Aluminiumrohre – einfach durchgeknallt. Diesmal heißt es neben Kinderwagen und Säugling auch noch die Einkäufe nach Hause zu schleppen.

Zwar mag unser Händler zunächst nicht glauben, dass der kapitale Schaden ohne Gewalteinwirkung entstanden ist. Er wurde jedoch bereits am nächsten Tag eines Besseren belehrt. Wiederum steht ein Kunde mit gebrochener Achshalterung im Laden. Denn der Zusammenbruch war kein Einzelfall. Wie der Hersteller auf Anfrage mitteilte, „gab es bei einigen Gestellen (Anmerkung des Autors: unseres Kinderwagenjahrgangs) Probleme bei der Wärmebehandlung des Aluminiums“. Solche Dinge könnten „leider vorab auch nicht durch Qualitätskontrolle festgestellt werden“. Es folgte die überflüssige Bitte, den Wagen im „derzeitigen Zustand“ nicht weiterzubenutzen. Wie auch?

Schließlich haben wir ein neues Gestell erhalten und uns, aber auch den Kinderwagenbauer gefragt, wieso solche Probleme und die damit verbundenen Unfallgefahren nicht publik gemacht werden. Die Antwort: Rückrufaktionen seien „in der Kinderwagenindustrie kaum durchführbar“. Ein Trend?
Anselm Bußhoff

P.S.: Nach fast zehn Jahren haben wir uns von dem im Laufe unserer Jahre beinahe runderneuerten Kinderwagen getrennt. Besten Gewissens haben wir ihn für wenig Geld, aber mit vielen guten Wünschen verkauft. Auf dass ihm noch weitere Kinder enteilen mögen.

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