Geschichtskundiger Lateiner mit Ermittlerblick

Hans-Jürgen Günther Foto: Gerhard Walser

Hans-Jürgen Günther
Foto: Gerhard Walser

Erst durch seine Recherchen wurde der Tod Markgraf Jacob III. zum bedeutendsten Kriminalfall in der Geschichte Emmendingens. 400 Jahre nach dem Ableben des Hachberger Landesherrn entlarvte er bis dahin gängige Darstellungen der Todesursache als Fabeln. Der Gründer dieser Stadt schied nicht einfach so dahin, sondern wurde ermordet: Hans-Jürgen Günther, Studiendirektor i.R., bewies, dass Jacob III. am 17. August 1590 einer Arsenvergiftung erlag.

Geboren ist er 1941 im oberschlesischen Larischhof, aufgewachsen in Osnabrück. Die nächsten Stationen sind Freiburg und Würzburg. Hier studiert Günther Sport und Latein sowie acht Semester Theologie. Danach verschlägt es ihn nach Offenburg und Lahr. 1971 kommt er nach Emmendingen und bleibt – beruflich bis zur Pensionierung im Jahre 2005 am Goethe-Gymnasium, aber auch privat. Der Vater dreier Kinder ist kein Lehrer, der sich nach dem Unterricht weitab der Schule zurückzieht. Seine Schülerinnen und Schüler erreichten ihn nicht nur per E-Mail, sie begegneten ihm und seiner Familie auf der Straße, im Schwimmbad und in der Kirche. Bei der musikalischen Gestaltung diverser Gottesdienste brachte ihr Sport- und Lateinlehrer seine Stimme ebenso ein, wie im Pfarrgemeinde- und Stiftungsrat der Pfarrei St. Bonifatius.

Mit seiner Internet-„Latein-Seite“ – http://www.latein-pagina.de – gerät Günther 2003 in die Schusslinie extremer Muslime. Ein Bild des Propheten Mohammed beschert ihm jede Menge Ärger und Mails – bis er es „einstweilen“ entfernt. Zur Ruhe kommt er dennoch nicht. Später rennen ihm Journalisten die Bude ein. Mit dem Aufflammen des Streits um die Mohammed-Karikaturen  einer dänischen Zeitung kochte auch seine Geschichte wieder hoch. Günther wird zum gefragten Gesprächspartner. Über die Fernsehschirme flimmert bundesweit sein Gesicht.

Günthers Augen haben etwas von einem Ermittler. Selbst wenn alle Jahre wieder in der Vorweihnachtszeit der weiße Bart üppiger scheint und eine nicht alltägliche Kopfbedeckung das Haupt schmückt, verrät ihn sein durchdringender Blick. Seinem Auftritt tut das keinen Abbruch. Als Nikolaus der Kolpingfamilie hat er schon fast Kultstatus. Der Lehrer macht sich im Tonfall bemerkbar. Dieser fällt leicht ins Dozieren, hat oft etwas Belehrendes.

Hans-Jürgen Günther will sein Wissen weitergeben, sein Gegenüber mit- und einnehmen – in Gesprächen, Führungen und  Vorträgen. Zum 100-jährigen Bestehen der  Kolpingfamilie Emmendingen arbeitet er deren Geschichte ebenso auf, wie später die des Klosters Tennenbach oder die Nazizeit der Pfarrgemeinde St. Bonifatius. Spannend und aufschlussreich fallen seine Vorträge aus. Doch auch schriftlich ist vieles dokumentiert und kommentiert, was Günther zusammengetragen hat. Egal ob digital auf diversen Internetseiten oder gedruckt, wie in der Chronik der Stadt Emmendingen.

In die Vergangenheit Emmendingens taucht Günther seit fast genau 20 Jahren. Der Nachweis, dass der Stadtgründer Markgraf Jakob III. ermordet  wurde, ist ein Ergebnis seines aufwendigen Quellenstudiums – und ein Paukenschlag zur 400-Jahr-Feier im Jahre 1990. Auch wenn er den Kreis der Tatverdächtigen einschränkt, eine Frage hat Hans-Jürgen Günther bis heute nicht beantwortet: Wer war der Täter?
Anselm Bußhoff

Hans-Jürgen Günther
Geboren am 6. September 1941 in Larischhof/Oberschlesien.
Lebt seit 1971 mit seiner Familie in Emmendingen und machte die Ermordung des Stadtgründers, Markgraf Jacob III., publik.

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