Wo die Alamannenzeit lebendig bleibt

Fundstück: Einst vergraben im Kartoffelacker, heute im Alamannen-Museum Vörstetten

Fundstück: Einst vergraben im Kartoffelacker, heute im Alamannen-Museum Vörstetten

Der Blick des Mädchens hat sich fest auf die blauen, gelben und roten Kreise geheftet. Breitbeinig steht sie da, ihr Körper ist gespannt, die kleine Hand zieht langsam das Seil nach hinten, verharrt, dann öffnet sich  die Hand öffnet:  Mit einem  Sirren schnellt der Pfeil durch die Luft und bleibt mit einem  Plopp! in der Zielscheibe stecken. Elisa (4) strahlt: Einen der Ringe  hat sie getroffen. Welchen? Egal. Stolz reicht sie Pfeil und Bogen an das nächste Kind in der Schlange weiter und hüpft von dannen. Schließlich gilt es, noch  allerlei andere Stationen auszuprobieren.

Wir sind zur Saisoneröffnung im Alamannen-Museum in Vörstetten bei Freiburg, um zu erkunden, wie die Menschen früher gelebt haben. Früher, das heißt in diesem Fall: In der Übergangszeit zwischen Spätantike und Frühmittelalter, also etwa in der Zeit des vierten und fünften Jahrhunderts nach Christus.
Was 1998 mit archäologischen Ausgrabungen begann, ist inzwischen zu einem schmucken Freilichtmuseum mit rekonstruiertem Wohnstallhaus und Kultstätte, Töpferwerkstatt und Museum, Speicher und Grubenhaus, Schaugarten, Brunnen, Backofen und Römerecke geworden.

Während nebenan Autos vor modernen Einfamilienhäusern parken, soll auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Areal des Freilichtmuseums die Zeit der Alamannen wieder lebendig werden. Und so laufen die Helferinnen und Helfer des Aktionstages in altertümliche Kleidung gewandet zwischen den einzelnen Stationen umher, erklären hier, wie man Schmuck herstellte, erläutern dort, wie die Menschen einst Getreide mahlten, drechselten, Wolle spannen und Decken webten. Rund um eine Feuerstelle halten Erwachsene und Kinder Stockbrot in die Flammen. Etwas weiter stehen Besucher am Backofen und versuchen die alte Runenschrift zu entziffern.

An Aktionstagen gibt es im Alamannen-Museum besonders viel zu entdecken und auszuprobieren. Doch auch sonst lohnt sich für Geschichtsinteressierte und solche, die es noch werden wollen, ein Ausflug dorthin. Schließlich kann das Museum auch mit der Geschichte eines spektakulären Fundes aufwarten: Wie 1960 der Löwenwirt mitten bei der Kartoffelernte ein glänzendes Ding auf seinem Acker fand, das seltsame Zeichen aufwies. Was es damit auf sich hatte? Auch das können Besucher im Museum erfahren.
Ronja Vattes

ALAMANNEN-MUSEUM IN VÖRSTETTEN
Was es zu sehen gibt: Das etwa 4000 Quadratmeter große archäologische Freigelände besteht aus dem Alamannenhof mit Wohnstallhaus, Speicher, Backofen, Brunnen, Werkstatt und Grubenhaus) sowie dem angrenzenden Schaugarten, einer Kultstätte und einem Kräutergarten.
Öffnungszeiten: Do 10 bis 17 Uhr, Fr 10 bis 15 Uhr, Sa 14 bis 18 Uhr, Führungen nach Vereinbarung auch außerhalb der Öffnungszeiten und Infos zu Schüler-Projekttagen: 07666/8820042.
Eintritt: Erwachsene 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro
Kontakt: Alamannen-Museum, Denzlinger Straße 24, 79279
Vörstetten, 07666/8820042, http://www.alamannen-museum.de

– Erschienen am 13. Mai 2013 in der Freizeit-Beilage der „Badischen Zeitung“ http://mehr.bz/rv-alamannen

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