Hummelflug ums Eigenheim

Der junge Kollege aus dem Büro schräg gegenüber erregte schon vor Jahren unsere Aufmerksamkeit. Gehörte er doch zu den Ersten, die hierzulande ein iPhone ergatterten. Inzwischen hat er seine Sammlung um ein iPad ergänzt und wurde so zum Fruganer unter unseren Digital-Experten. Zuletzt irritierte jedoch, dass der Kollege recht unkonzentriert wirkte und selbst in wichtigen Besprechungen ständig auf seine Teile aus Apples Obstladen blickte. Offensichtlich hatte er erkannt, dass der Besitz solcher Gerätes allein nicht glücklich macht und sich zudem eine Eigentumswohnung nebst neuem Auto angeschafft. Da aber aus jüngsten Kriminalstatistiken eine starke Zunahme von Einbruchsdelikten herauszulesen ist, lässt er beides von einer Webcam überwachen. Alles, was ins Visier der Kamera kommt, landet seither fast zeitgleich als Foto auf iPhone und iPad. So entgeht ihm keine Bewegung um Eigenheim und Fahrzeug. Wirklich keine! Egal ob sich der Nachbar für ein paar bewundernde Blicke dem Fahrzeug nähert oder dessen Vierbeiner eines davon daran erhebt, die iProdukte des Kollegen melden es. Wir hielten diese Dauerüberwachung zunächst für etwas übertrieben, schließlich wohnt er auf dem Land. Allerdings scheint auch dort das Leben recht gefährlich zu sein. Wir konnten uns selbst ein Bild davon machen. Das Eigentum des Kollegen ist ständigen Attacken ausgesetzt – von Faltern, Fliegen, Motten, Bienen und Hummeln. Die ganze Insektenschar schwirrt und vibriert nun auf des Kollegen Digitalobst!
Anselm Bußhoff

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