Stadtgründer im Glaubenskampf

Das Markgrafenschloss in Emmendingen: Sitz und Sterbeort des Stadtgründers Markgraf Jacob III.

Das Markgrafenschloss in Emmendingen: Sitz und Sterbeort des Stadtgründers Markgraf Jacob III.

Erst verlieh er dem eher unbedeutenden Marktflecken Emmendingen die Stadtrechte, dann kostete ihn der Genuss von Kirschen und Wasser das Leben. Beides ist Geschichte – jene von Emmendingen, das er zur Stadt machte, und die überlieferte Todesursache eine fürs Märchenbuch. Denn nicht die Folge eigener Unvernunft, sondern ein Giftanschlag setzte seinem Wirken ein frühes Ende: Markgraf Jacob III. erhob Emmendingen zur Stadt und legte damit den Grundstein für die Entwicklung bis hin zur Großen Kreisstadt.

Sechs Jahre nachdem sein Vater, Karl II., in der Markgrafschaft Baden-Durlach den lutherischen Glauben eingeführt hatte, kommt Jacob 1562 in Pforzheim als zweiter von drei Söhnen zur Welt. Von seiner Mutter Anna wird er tiefreligiös erzogen. Nicht ohne Folgen: Glaube und Religion sollen sowohl sein Leben wie seinen Tod beeinflussen. Aber auch sonst erhält der wissensdurstige Fürst eine für die damalige Zeit überdurchschnittliche Ausbildung. 1578 beginnt Jacob an der Straßburger Akademie neben Griechisch und Latein auch Logik, Dialektik sowie Mathematik zu studieren. Die Beschäftigung mit theologischen Fragen bleibt. Mehrmonatige Auslandsaufenthalte erweitern zudem seinen Horizont.

Im Jahre 1584 wird Jacob nicht nur Hachberger Markgraf, sondern heiratet mit der Kölner Grafentochter Elisabeth eine ebenso reiche, wie selbstbewusste und gebildete Frau. Die Ehe wird in einer Nacht-und-Nebel-Aktion geschlossen, weil ein Nebenbuhler versucht, die Liebesheirat zu verhindern. Mit der Behauptung, sich bereits selbst mit Vater und Tochter über eine Ehe verständigt zu haben, wirbelt dieser erheblich Staub auf.

Erste Residenz des neuen Landesherrn ist die Hochburg. Doch 1588 erwirbt Jacob in Emmendingen den Tennenbacher Hof und lässt ihn in seiner heute noch existierenden Form zum Markgrafenschloss umbauen. Mit Beginn des Jahres 1590 erhebt er den Marktflecken zur Stadt.

Unzufrieden mit dem Verlauf einiger andernorts vorangegangener Religionsgespräche lädt Jacob im Juni 1590 Lutheraner und Katholiken zu einem eigenen theologischen Streitgespräch. Es soll der abschließenden Meinungsbildung dienen und zudem eigene Konvertierungsabsichten deutlich machen. Die Emmendinger Auseinandersetzung verläuft nicht ganz so chaotisch wie andere, erregt aber dennoch weit über das Hachberger Land hinaus die Gemüter.

Dies gilt auch für den am 15. Juli folgenden Übertritt Jacobs zum katholischen Glauben. Papst Sixtus V. dankt schriftlich und lässt eine Dankesprozession durch Rom ziehen. Alles andere als erfreut sind indessen die protestantischen Geistlichen, die aufgefordert werden, ihre Ämter niederzulegen und die Markgrafschaft zu verlassen. Auch die Bevölkerung reagiert eher verstört.

Die ganze Aufregung bleibt eine Episode fürs Geschichtsbuch und Emmendingen evangelisch. Denn Jacobs Anordnungen werden umgehend widerrufen, nachdem der Markgraf am 17. August 1590 stirbt. Den Totenschein komplettiert 400 Jahre später der Emmendinger Gymnasiallehrer Hans-Jürgen Günther. Nach ausgiebigem Quellenstudium ergänzt er ihn um die Todesursache: „Arsenvergiftung.“ Markgraf Jacob III. wurde ermordet! Der Täter konnte bis heute nicht ermittelt werden.
Anselm Bußhoff

Markgraf Jacob III.
Emmendingens Stadtgründer.
Geboren: 26. Mai 1562 in Pforzheim
Gestorben: 17. August 1590 in Emmendingen.
Am 1. Januar 1590 hat er Emmendingen zur Stadt erhoben.

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