Ungejoggt zum Laufrekord

Der Mann kommt keuchend und sichtlich erhitzt aus der Kälte nach Hause. „Und wie lief’s?“, fragt ihn mitfühlend die Frau an der Türe. „Frag nicht!“, kommt es brummelnd zurück. Die Stimmung ist schlecht, der Mann seit Monaten ungejoggt – erst war’s ein Infekt, der auf die Bronchien schlug, dann nahm er sich zu viel Gans zur Brust, die sich wiederum klammheimlich auf seine Hüften setzte. Und jetzt war er endlich wieder mit guten Vorsätzen ins Neue Jahr gestartet: Der Speck muss weg, auf geht’s zum Schokoprinten wegsprinten. Hatte seine Laufschuhe geschnürt, den Pulsgurt umgebunden, das Smartphone zum GPS-gekoppelten Kilometer zählen eingesteckt und ging die ersten Kilometer im neuen Jahr auf schweren Sohlen an. Fünf Kilometer, immer am Fluss entlang, zähe 35 Minuten – ein beschwingter Start sieht anders aus. Und so sitzt er nun jammernd in der Küche, stürzt die Flasche Mineralwasser in sich hinein, wischt sich den Schweiß von der Stirn, stöhnt was von „hab mich selten so alt gefühlt“, als sein Blick auf die vom Smartphone ermittelten Werte fällt: „Sie haben 1617 Kalorien verbraucht bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 21,46 km/h.“ Ein Rechenfehler? Egal. Hauptsache die Stimmung steigt!
Ronja Vattes

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