Ein Kribbeln bei Nacht

Winterstimmung in Emmendingen (Foto: Ronja Vattes)

Winterstimmung in Emmendingen
(Foto: Ronja Vattes)

An ein paar Tagen im Jahr, sie merkt, es werden weniger von Mal zu Mal, da verspürt sie dieses leise Kribbeln im Bauch, nachts, im Schlaf schon schleicht es sich ein, als ob die Ohren schon etwas vernommen hätten, was da geschieht mit der Welt. Von Stunde zu Stunde wird es deutlicher, obwohl sie Stund‘ um Stund‘ weniger hört von der Welt. Das Kribbeln wird stärker und ein leises Glucksen folgt, ein bisschen fühlt sie sich dann, noch immer im Schlafe, als ob sie verliebt sei, ganz frisch. Das Gefühl, es steigert und steigert sich, dann plötzlich endet es jäh und ihr wird ganz still, sie erwacht, mit einem Satz steht sie am Fenster, vergisst ganz und gar, dass sie schon irgendwann mal erwachsen geworden war: Die Nacht ist heller als andre es sind, kein Vollmond, der leuchtet, kein Wecker, der schrillt – der Schnee ist’s, geweckt hat er sie, ganz leise und zart. Ein Jubeln bricht aus ihr heraus, es ist nicht zu halten, vergessen die nächtliche Stunde, Flocken tanzen auf den Straßen, Häuser tragen weiße Mützen, sie schnappt sich den Schal, die Schuhe, Jacke wie Hose, beschwingt springt sie zwei Stufen auf einmal nehmend die Treppe hinab. Sie will es sein, die Spuren als Erste im Schnee hinterlässt, nachts um vier … Das Schild an der Tür, es stoppt sie abrupt: „Kehrwoche“. Sie seufzt – dann springt sie nach draußen, der Alltag, er hat noch zwei Stunden Zeit.
Ronja Vattes

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