Ein wortgewaltiger Prediger

Josef H. Maier war von 1943 bis 1947 Pfarrverweser und anschließend bis 1970  katholischer Stadtpfarrer in Emmendingen

Josef H. Maier war von 1943 bis 1947 Pfarrverweser und anschließend bis 1970 katholischer Stadtpfarrer in Emmendingen

Wäre es nach ihm gegangen, Emmendingen hätte in seinem Leben keinen Platz gefunden. Da ihn der Freiburger Erzbischof 1943 aber dennoch hierher berief, wurde Emmendingen nicht nur weit mehr als eine Episode in seiner Vita, sondern er selbst Teil der Geschichte dieser Stadt. Mit der Verleihung der Ehrennadel würdigte die Stadt Emmendingen im Januar 1987 sein jahrzehntelanges Wirken: Josef H. Maier war von 1947 bis 1970 Stadtpfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Bonifatius.

1909 in Kappelwindeck geboren, kam Maier 1943 als Pfarrverweser nach Emmendingen, um die Nachfolge des von den Nazis ins Konzentrationslager Dachau verschleppten Stadtpfarrers Oswald Haug anzutreten. 1947 selbst zum Stadtpfarrer ernannt, konnte er nach eigenen Aussagen kurz vor Kriegsende dank vertraulicher Informationen aus Militärkreisen und mit Unterstützung des Freiburger Erzbischofs Conrad Gröber die Ermordung von 200 Patienten der „Psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalt“ verhindern. Zumindest Kreisarchivar Gerhard Auer sieht diese Darstellung skeptisch. Nach seinen Recherchen waren es eher die Wirren des Kriesendes als die Intervention des Erzbischof, der die Patienten ihr Leben verdanken. Unstrittig ist hingegen, dass Maier in den letzten Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren half, die materielle Not in Emmendingen zu lindern. So war die von der Pfarrei St. Bonifatius getragene „Neue Heimat“ die erste Siedlungsgenossenschaft, die den Wohnungsbau in großem Stil vorantrieb.

Neben den seelsorgerischen Aufgaben nahm Stadtpfarrer Maier weitere bauliche Vorhaben in Angriff. Mit der Marienkirche in Köndringen entstand 1950 das erste Gotteshaus der Nachkriegszeit auf dem Gebiet der Erzdiözese Freiburg. 1953 wurde am Rande des Stadtgartens das Gemeindehaus fertig gestellt, in dem bis heute der Kindergarten St. Josef untergebracht ist. Es folgte der Ausbau des Pfarrhauses und 1959 – zwischen diesem und dem Kindergarten – der Bau des Pfarrzentrums mit Pfarrsaal und Jugendräumen.

Auch wenn Letzteres vor einigen Jahren abgerissen und an gleicher Stelle ein modernes Gebäude hingestellt wurde, am Fundament, das Maier während seiner 27 Jahre gelegt hat, können solche Äußerlichkeiten nicht rütteln. Als „Ziehvater“ gestaltete Josef H. Maier nicht nur baulich die zu seiner Zeit einzige katholische Pfarrgemeinde Emmendingens. Aus den Tiefen der Nachkriegszeit heraus, so hält die Pfarrchronik fest, entwickelte Maier eine Pfarrei mit anspruchsvollem Niveau. „Durch sein kraftvolles Wort, sein großes Wissen und seinen Kunstsachverstand hat er die Pfarrei geprägt.“ Auch über deren Grenzen hinweg wurde er als Prediger, Organisator und Kunstgeschichtler geschätzt.

Vielleicht war es die Beschäftigung mit der abendländischen Kultur, die ihn in Sachen Ökumene seiner Zeit voraus sein ließ. Ökumenisch denkend und handelnd, feierte er zusammen mit dem damaligen evangelischen Dekan Hörner bereits ökumenische Gottesdienste, als dies der Vatikan und das erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg noch verboten hatten.

Auch nachdem Josef H. Maier 1970 aus gesundheitlichen Gründen in Ruhestand ging und sich ins Obersasbacher Kloster Erlenbad zurückzog, blieb er in Emmendingen präsent. Und dies nicht nur zu kunst- und kulturgeschichtlichen Vorträgen, die er – meist in überfüllten Sälen – hielt. Die Bildungsvermittlung war ihm bis zu seinem Tod im Jahre 2002 ein Anliegen. Sein Credo: „Bildung stellt eine Bereicherung unseres Daseins dar.“
Anselm Bußhoff

Josef H. Maier
1909 – 2002
1943 bis 1947 zunächst Pfarrverweser, anschließend bis 1970 Stadtpfarrer der Pfarrei St. Bonifatius

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