Nur Faxen im Kopf

Ausschneiden, Kleben und Basteln sowie das Zeichnen von Buchstaben und Zahlen sind die Leidenschaft des Sechsjährigen, das Malen eher nicht. Es sind Ausnahmen, wenn er strahlend mit einem Bild anrückt und fragt: „Hab’ ich das nicht schön gemacht?“ Neulich war es mal wieder so weit. Er hatte sich viel Mühe gegeben und war auch sichtlich stolz auf sein Werk. Neben Mama und Papa durften auch die Geschwister das Bild bewundern. Und alle wurden gefragt, ob sie auch gerne so ein Bild hätten. Mit einer Reihe von Aufträgen zog sich der Künstler zurück. Doch die rechte Muse wollte sich jetzt offensichtlich nicht mehr einstellen. Nach wenigen Minuten stand er wieder da und erklärte den Eltern, dass er dringend zur Oma müsse. Da diese ihre Wohnung im gleichen Haus hat, ist sie immer mal wieder Rückzugspunkt, wenn einem der Kinder der trubelige Alltag mit den Geschwistern zu bunt wird. Doch auch dort hielt es den Sechsjährigen diesmal nicht lange. Kurze Zeit später kehrte er zurück, um zur allgemeinen Überraschung die bestellten Bilder zu überreichen. Dass diese im Gegensatz zur Ursprungsversion nur noch in Schwarz-Weiß gehalten waren, irritierte nicht nur den jüngeren Bruder: „Das Bild ist ja gar nicht bunt!“ Ob so viel Undankbarkeit, kam die Antwort schon fast ungehalten: „Das geht doch bei der Oma nicht anders!“ Der junge Künstler hatte sein Werk einfach aufs elterliche Faxgerät gelegt und mehrfach zur Oma geschickt. Von wegen, die Jugend weiß mit Faxgeräten nichts mehr anzufangen!

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